Überschlag

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Was wissen wir von euch noch, liebe Leute,
die ihr in euren Puppenheimen sitzt
und zum Geläute alter Glocken noch
euch härmt und euch an Märchenrocken noch

5

                     die Finger ritzt,
           von euch, die ihr noch heute
vor toten Götzen Blut und Tränen schwitzt!

Ihr saht noch nicht Natur ins tiefe Auge,
das kühl und fühllos unser aller lacht,

10

ihr trankt die Lauge ihres Spotts noch nicht,
ihr kennt das Urteil eures Gotts noch nicht:
                     dass seine Macht
           nur noch für Kinder tauge.
dass er schon längst in Acht und Aberacht.

15

O Weltspiel. Possenposse aller Possen -
wo du gleich Spieler und Betrachter bist,
selbst eingegossen in die Form Notwendigkeit,
gleich Göttlichkeit und gleich Elendigkeit - -
                     wem, der da ist,

20

           war' deine Komik ganz erschlossen!
Nicht Einem: - denn der stürb' zur selben Frist.

 

 

Lyrik | Gedichte aus dem Nachlass Teil 4
Daß ich nicht mehr | Kalt, kalt | Zwei Briefe | Liebesbrief | Vor einem Kinde | Lied | Das Echo | Die Windmühle | O Menschen, Menschen | Heilig der Schlaf | Komm, Spaten, stich | Nach Hauptmanns "Klokken, der sank" | Dem deutschen Volke | O ihr ewigen Hüterinnen | Ein Schicksal | Durch die Beine der Heroen | Menschen und Götter | Vor dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm | Nach einem rechten Läuterungsbade in Goethe | Aus einem Studienkopfe von Max Klinger | Wir Künstler | Wir Künstler (II) | Ich kann nur Leben | Werdet ihr nie | Welcher Trübung dort am Himmel | Der Geist der Berge spricht | Venus-Tempelchen | Und als ich eine Weil' | Tief im Walde hör' ich | Man fragte mich | Er fühlt' es selbst | Herbstnacht | Ich möchte dich noch einmal sehn... | Aus allen diesen Blicken | An *** | Fall und ewige Wiedergeburt durch sich selbst | Versprechen? | Totenzug | Vom ewigen Leben | Überschlag | Die Mutter, die dem Kinde | Das Gitter | Wie ist es nur | Ich habe dir ein Tuch | Ich stand vom Lärm | Zu dir | Über die tausend Berge | Endlich wieder | Junge Stunden | O traure nicht!


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 627f.