Abgrund

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Sieh, wer sich so voll Wachheit selbst betrachtet
und abwägt, jeden Tag, ja, jede Stunde, -
wie sollte der nicht oft ganz Weh und Wunde
und Weinen sein, von Jammer ganz durchnachtet.

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Ein Opfer, lebt er, das sich selber schlachtet
und annimmt und verwirft, je nach Befunde,
ein Richter, der sich stumm im Seelengrunde
erforscht und hier sich ehrt und dort verachtet.

Ach, kann, wer solch ein Wild, das selbst sich jaget,

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sein Los mit eines Weibes Los versprechen?
er, der da weiß, wie zwölfmal er versaget.

Er würde sie noch mehr als sich betrüben;
denn - trüg' sie viel: eins würd' sie ganz zerbrechen:
Dies sein selbst an sich selbst Vergeltung Üben.

 

 

Lyrik | Ich und Du
Meiner lieben Frau
Sonette I: Der Morgen | Auf Wieder-Hören | Sie spricht | Das Landhaus | Die Bank | Die Uhr | Schirokko | Meran-Vineta | Schauder | Abgrund | Das schnellste Ross | Brand: | Agnes: | Ein Gleichnis | Ein anderes | Der Abend ruft: | Abends hinunter | Mondnacht über Meran
Ritornelle: Du warst mir heut | In meinen Tränen | Die blassen Blätterschatten | Wir mischen unsre Wesen | Wie du Personen oft vergleichst | Auf der Treppe sitzen meine Öhrchen | In einer Nacht | Ich hebe gerne Blumen | Was ist das | Ist es Herbstlaub | Dämmrig blaun im Mondenschimmer | Ja, wenn ich jetzt nur noch | Vielleicht kehrt sich's | Vor dir schein ich aufgewacht | So ziehn zwei Flammen | Es gilt fast mehr als dich | Wie Sankt Franziskus schwebt ich | Wie eine Nonne schwarz | Wie sehr versteh ich | Ein paar Pappeln | Dies ist das Wunderbarste | Das Tier, die Pflanze
Lieder: Kind, wie eine Wolke | Der Morgen war von dir erfüllt | Es ist Nacht | Nimm an, es gäbe einen Himmelsherrn | Der Morgen war | Hochsommernacht | Ein einunddreißigster August | Überetsch
Sonette II: Die zwei Ozeane | Er | Sie | Sternenstil | Vermessenheit | Schachsonett | Humor | An die Tiere | In aeternum | Oh, ich verleumde meine Erde nicht | Es ist so viel | Ich schein ein Doppeltes | Quellen des Lebens | Nun wollen wir uns still die Hände geben


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 2, S. 148