Adam und Eva

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Adam und Eva stehen an dem Baum,
aus dem es ihnen rauscht wie Zukunftstraum.

Aus dunklem Laube zischt der Schlange Witz:
Wofern ihr esset, fährt in euch der Blitz.

5

Und Eva blickt auf Adam wie gebannt,
und Adam blickt auf Eva unverwandt.

Und wie die Augen ineinanderruhn,
da müssen sie das Ungeheure tun.

Sie hebt den Arm und biegt den Zweig zu ihm.

10

Von ferne blitzt das Schwert der Cherubim.

Erwählt den schönsten Apfel totenbleich.
Und beide essen von der Frucht zugleich.

Von ihrer Seele sinkt der Unschuld Flor.
Es wühlt die Flamme sich der Scham empor.

15

Die Hände kreuzend überm Schoß, so stehn
sie da, die sich zum ersten Male sehn.

Und Zwiespalt, ob er gehn, ob bleiben soll,
verwirrt sie, jeden, süß und wehevoll.

Da fällt ein großer Schatten über sie -.

20

Und zitternd wendet sich zur Flucht ihr Knie.

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 2, S. 269