Aller Ort' (o. T.)

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"Aller Ort',
nirgendwo,
niemals,
und immerfort!"

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Jeglicher Gott
führt im Wappen
dies Wort.

Wir gehn von heut zu morgen
in unserm kleinen Trott

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und sind vielleicht, verborgen,
eines Schalkes Spott.

Was Aug' und Ohren
Wirklichkeit heißt,
wird je geboren,

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der sie beweist?
Arglos auf Glaub' und Treu
nehmen wir stets aufs neu
alles Tradierte
und sind vielleicht dabei

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Hypnotisierte...
All das Ergetzliche,
des solch ein Weltgeist voll,
priesen wir andachtsvoll
als das "Gesetzliche"...

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Die Harmonie
im Tanz der Gestirne,
die Menschengehirne
mühsam erklügelten,
wäre nur Spiel

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einer allmachtgeflügelten
Schelmphantasie...

Und was ohn' Ziel
und ohn' End wir geglaubt,
es war' nur ein Traum

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von tausend Träumen
aus einem müßigen
Gotteshaupt...

Seit ich Weltkobold sah,
ist der Argwohn mir nah.

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Gern möcht' ich gestehen,
was ich gesehen,
möcht es beschreiben
mit Pinsel und Nadel
oder ohn Tadel

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in Kupfer treiben.
Doch die Gestalt,
die auf Blitzesfrist
zu jähem Erglänzen
mir durch den Spalt

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erschienen ist,
ich kann sie nicht grenzen,
nicht bildhaft umschließen -
ich fühl sie zerfließen.
Nun -: spür ich das Lachen,

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die silberhellen
Schellen
im Ohr mir wieder erwachen.

 

 

Lyrik | Zyklus: Der Weltkobold
Motto | Im Mund die Abendzigarette | Aller Ort' | Weltkobold ist verliebt | Maria, eines Tischlers Töchterlein | Durch die Gassen geht der Abend | Die Nacht ist tief geworden | Vertrau mir, Kind | In jagendem Wolkenboot | Weltkobold im Land der Bärenhäuter, Fassung I | Weltkobold im Land der Bärenhäuter, Fassung II | In seiner Hängematte liegt der Gott


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 423f.