Aphorismen - Ethisches - 1895

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   S. 205

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1895

[867]
5

"Erlöser". Was ruft ihr immer, seht euch um. Jeder große Mensch,
den ihr kennt, kann euch Erlöser sein von eurer Kleinheit.
In seinem Atem laßt den euren gehn, in ihm müßt [ihr] das
Große lieben ! Nicht nur fürchten und ehren.

[868]

Noch bleiben uns alle Rätsel offen - und ein ewiges Ringen liegt
für unsere Leidekraft noch vor uns, und das ist das Ewig-Schöne.

[869]

Seid doch endlich ganz in Religion , sozialem Wollen etc. da.

[870]

Es dient ja alles Geschehene der Zukunft.
Alles ist Vorbereitung.
Alle Vergangenheit dient der Zukunft. (Also so wollte ich es.)

[871]
15

Alles kann ich verzeihen - nur nicht Mangel an Stolz.

[872]

Das ist das Schrecklichste für einen Menschen, zumal für einen
jungen Menschen: sich mit seinem Schicksal allein zu glauben,
des Trostes der Gemeinschaft zu entbehren, unerlöst das Herz
voller Rätsel und Bedrückungen unter Schweigenden, scheinbar

20

Guten und Gerechten dahinzugehen, innerlich brennend, schreiend
nach Liebe, äußerlich kalt, steif, verschlossen wie jene - bis er
endlich in Arbeit und Eintag das innere Leben besiegt und als
braver und gleichgültiger Bürger seine Tage vollendet. Einem
dieser Herzen sagen zu dürfen: du irrst, schau hin in die Fülle der

25

Menschlichkeit, da schau, wie Entwickelungen enden.

 

 

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Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 205