Aphorismen - In me ipsum - 1894

Aus DCMA
Wechseln zu: Navigation, Suche
       

 

   S. 16

Sa-band5 0016.jpg


1894

[10]

Ich möchte nicht leben, wenn Ich nicht lebte.

[11]

Vor einer Menschenmenge: Ich sehe plötzlich die Gedanken dieses
Volks wie eine dicke schwarze Wolke über ihm. Eine Wolke

5

voll Tränen und Blitzen.

[12]

Über all meinen Werken soll es wie ein großes Verstehen liegen —
und davon werden viele glücklich werden.

[13]

Wahlspruch meines Künstlers: Aere perennius[1].

[14]

Im Tingeltangel. Welche Selbstironisierung des Menschengeistes!

10

Welche Prostituierung des Lebens vor sich selber! Welche
Tragik in diesem Gebaren des Menschen vor dem Menschen, des
von der Materie ganz unterjochten und gefangenen Immateriellen.


[15]

Humoristisches Werk im tiefsten Sinne. Gewaltiger Kampf zwischen

15

dem tiefsten Leid des Lebens und dem Jasagen zum
Leben. So recht ein Dokument einer großen, aufsteigenden Periode.
Ein durch den unendlichsten Schmerz jubelndes Jasagen zu
dieser Welt —

 

 

Portal:Aphorismen
Autobiographische Notiz

In me ipsum: 1891 · 1892 · 1893 · 1894 · 1895 · 1896 · 1897 · 1899 · 1901 · 1902 · 1904 · 1905 · 1906 · 1907 · 1908 · 1909 · 1910 · 1911 · 1912 · 1913

Natur | Kunst | Literatur | Theater | Sprache | Politisches, Soziales | Kritik der Zeit | Ethisches | Lebensweisheit | Erziehung, Selbsterziehung | Psychologisches | Erkennen | Weltbild | Symphonie


Fußnote

  1. (lat.), dauernder als Erz

Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 16