Aphorismen - Kunst - 1898

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   S. 88

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1898

[352]
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Von der Verachtung der Sinne. "Schmuck" muß aufhören, alles
muß aus der innern Schönheit organisch herauswachsen. Der
Begriff "äußerlich" muss verschwinden und damit die christliche
Spaltung von Leib und Seele. Alles muß Leib und alles Seele
werden. Das heißt Kultur.

[353]

Von der Wandlung meiner Kunstanschauung. Immer mehr zur
naiven Kunst hinüber. Mich an die Natur, an den Augenblick binden.
Der Erde treu sein.

[354]

Zum ersten Mal richtig erfaßt, dass wir nur Flächen sehen, der
Begriff des Körperlichen ein in jedem Moment aus der Erfahrung

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(Tastsinn) Hinzugefügtes ist. Welche Produktions- und Reproduktionskraft
so bei jedem Blick! Wichtig für den Maler.

[355]

Musik ist ein Spiel mit Lust und Unlust zum endlichen Zwecke
der Lust.

[356]

Wie die Griechen den Statuen der Ägypter die Füße gelöst haben

20

- darin liegt der Fortschritt aller Kunst.

[357]

Bei Böcklin[1] ist die Romantik ein Hinausgehnwollen über die Natur,
bei Hauptmann[2] ein Nichteindringenkönnen oder vielleicht
noch besser ein Umgehenwollen.

 

 

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Fußnoten

  1. Wikipedia:Arnold Böcklin
  2. Wikipedia:Gerhart Hauptmann

Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 88