Aphorismen - Kunst - 1907

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   S. 95

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...

1907

[378]

Ein Künstler muß seine Weisen eigentlich immer einer Geliebten

5

ins Ohr spielen.

[379]

Das Leben zeugt Blumen und Bienen. Blumen, das sind die
schöpferischen Geister und Bienen die andern, die daraus Honig
sammeln.

   S. 96

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[380]

Es ist so plump von Künstlern und Dichtern, sich so geradezu ans
Geschlecht zu wenden, als ob man sich ans Geschlecht erst wenden
müßte.

[381]

Mir gegenüber liegt ein Haus im Morgenschatten. In einem seiner

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Fenster im zweiten Stock scheint jemand zu lehnen. Unheimliche
Lebendigkeit eingebildeter Personen! Kein lebendiger
Mensch könnte mir einen so intensiven Eindruck von Leben geben,
wie diese meine Vorstellung von einem Menschen dort, der
doch in Wirklichkeit nur ein Kissen oder sonst ein Gegenstand ist

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und mir dabei die Tatsache seiner Nichtexistenz nicht einmal verschweigt.


[382]

Programmusik mutet mich an wie Buchstaben aus lebendigen
Blumen.

[383]

Kunst ist nicht ein Stück Welt im Spiegel eines Temperaments,

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sondern — ein (Stück) Temperament im Spiegel des Bewußtseins.

[384]

Alle Kunstform borniert[1].

 

 

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Fußnoten

  1. Wiktionary:borniert

Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 95