Aphorismen - Lebensweisheit - 1908

Aus DCMA
Wechseln zu: Navigation, Suche
       

 

   S. 235

Sa-band5 0235.jpg

1908

[1042]

Was für eine Redensart: Wenn ich der und der wäre, so würde ich
das und das tun! Als ob ich als der und der noch ich wäre und
nicht vielmehr eben der und der!

[1043]
5

Wie sollte man wohl leben, wenn man nicht fortwährend bei sich
wie bei den andern hunderterlei Krumm gerade sein ließe.

[1044]

Die Welt — eine schöne und schmerzliche Ehe.

[1045]

Es gibt in Wahrheit kein letztes Verständnis ohne Liebe.

[1046]

Es gibt keine "toten" Gegenstände. Jeder Gegenstand ist eine

10

Lebensäußerung, die weiterwirkt und ihre Ansprüche geltend
macht wie ein gegenwärtig Lebendiges.
Und je mehr Gegenstände du daher besitzest, desto mehr Ansprüche
hast du zu befriedigen. Nicht nur sie dienen uns, sondern
auch wir müssen ihnen dienen. Und wir sind oft viel mehr ihre

15

Diener, als sie die unsern.

[1047]

Weißt du nicht, daß Liebe alles gibt und in diesem "allem" keine
Grenze, keine Möglichkeit der Grenze kennt.

[1048]

Jeder muß sich selbst austrinken wie einen Kelch.

[1049]

Jede gründliche Erfahrung muß mit eignem Leben bezahlt werden

20

- und fremdem.

[1050]

Das sind die zwei Blumen des Lebens: das Schaffen und die
Liebe. Und nie wird wohl jemand ergründen, ob Gott sich als

   S. 236

Sa-band5 0236.jpg

Welt schafft um der Liebe willen oder ob er liebt um des Schaffens
willen.

[1051]

Was du andern zufügst, das fügst du dir zu.

[1052]

Eine Wahrheit ohne Atmosphäre ist so unmöglich wie ein Gestirn

5

ohne Atmosphäre. Aber dreiviertel aller Wahrheit heute ist -
ohne Atmosphäre.

 

 

Portal:Aphorismen
Autobiographische Notiz | In me ipsum | Natur | Kunst | Theater | Politisches, Soziales | Kritik der Zeit | Ethisches

Lebensweisheit: 1894 · 1895 · 1896 · 1897 · 1898 · 1901 · 1902 · 1903 · 1905 · 1906 · 1907 · 1908 · 1909 · 1910 · 1911 · 1912 · 1913

Erziehung, Selbsterziehung | Psychologisches | Erkennen | Weltbild | Symphonie


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 235f.