Aphorismen - Lebensweisheit - 1909

Aus DCMA
Version vom 2. April 2013, 17:41 Uhr von Antropositiv (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche
       

 

   S. 236

Sa-band5 0236.jpg

...

1909

[1053]

Die Hälfte allen Unglücks - vom gröbsten bis zum feinsten - geht
auf Unwissenheit oder Denkfehler zurück, gewollte und ungewollte

10

Ungeistigkeit.

[1054]

Takt. Es ist ein feiner Gedanke, dem andern das Gefühl zu lassen,
als sage er etwas Neues oder sage das Alte auf eine nicht ganz
erwartete Weise, und eine schlechte Gewohnheit, zu tun, als ob
sich jedes seiner Urteile von selbst verstehe.

[1055]
15

Das Bogen- und Gewölbe-Spannen und -Bauen ist wie in der
Baukunst auch in der Lebenskunst - der vornehmsten Baukunst
- das Herrlichste.
Wer nur Stein auf Stein, Tag auf Tag, zu legen wagt, ohne tiefgründigen,
weitausschauenden Bauplan, wer nie zum festen Vertrauen

20

in sein Material und die ewigen Gesetze gelangt, er wird
nicht für mehr bauen als für den Augenblick, die Stunde.

[1056]

Vom höchsten Gesichtspunkt aus betrachtet fallen alle Menschen
in einen zusammen. Daher soll sich der eine vom andern nicht
gar zu verschieden dünken.

   S. 237

Sa-band5 0237.jpg

[1057]

Geben und Nehmen, ein Gesetz aller Entwickelung.

[1058]

Der Weise verzichtet auf alles, worauf sich irgend verzichten läßt;
denn er weiß, daß jedes Ding eine Wolke von Unfrieden um sich
hat.

[1059]
5

Genuß kann unmöglich das Ziel des Lebens sein. Genuß ohne
etwas darüber ist etwas Gemeines.

[1060]

Lesen können - darauf läuft schließlich alles hinaus.

[1061]

Überall dem Selbstverständlichen zum Wort verhelfen - das ist
ein großes Geheimnis.

 

 

Portal:Aphorismen
Autobiographische Notiz | In me ipsum | Natur | Kunst | Theater | Politisches, Soziales | Kritik der Zeit | Ethisches

Lebensweisheit: 1894 · 1895 · 1896 · 1897 · 1898 · 1901 · 1902 · 1903 · 1905 · 1906 · 1907 · 1908 · 1909 · 1910 · 1911 · 1912 · 1913

Erziehung, Selbsterziehung | Psychologisches | Erkennen | Weltbild | Symphonie


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 236f.