Aphorismen - Literatur - Nietzsche - 1896

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   S. 128

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Nietzsche

1896

[544]

Es gibt kaum eine größere Gefahr für einen Menschen wie mich,
als Nietzsche zu lesen. Es ist wie ein Wühlen im Schmerz meines

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eigenen Unwerts.

[545]

Nietzsches herrliche Natur, die in einer wahrhaft ehrwürdigen
Bescheidenheit und einer Frömmigkeit zur Kultur anfänglich
immer sagt: Möchten andere es besser machen als ich.

[546]

Ein ganzes Leben in Denken aufgelöst, im Wort sichtbar geworden,

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strömt vor unsern Augen, aus geheimnisvollen Gründen
hervorbrechend, in undurchdringliches Dunkel sich verlierend.

[547]

"Also sprach Zarathustra!" - wie? wenn dieser Kehrreim mit einem
gewissen Auguren-Lächeln gelesen und geschmeckt werden
müßte. Wenn er eine feine Parodie auf jene Schlußphrasen

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wäre, womit noch jeder ethische Neuerer bisher seine Sätze gesiegelt,
ein anderes "Amen! Amen!", eine Schluss- und Banngebärde,
feierlicher Schauer voll für den Gläubigen, für den
Auguren aber nur ein Lächeln mehr... Wie beginnt doch die
"Fröhliche Wissenschaft"?...

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 128