Aphorismen - Literatur - Nietzsche - 1905

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   S. 129

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1905

[549]

Wer mit Nietzsche denkt, "widerspricht" sich auch mit Nietzsche.
Wer sich an seinen "Widersprüchen" stößt, hat nie mit ihm gedacht
(noch mehr: gefühlt ) — ist nie mit ihm geflogen.

[550]
5

Ein philosophisches System zu verstehen, erfordert schließlich
ein Maß von Intellekt, nichts weiter. Einen leidenschaftlichen
Wegsucher aber wie Nietzsche begreift man nicht bloß als kluger
Kopf; man muß ihm noch obendrein ein bisschen — verwandt sein.

[551]

Gewiß, es gibt Züge, die ich Nietzsche, dem Menschen, verarge -

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aus Liebe. Nur kleine Züge, aber ich verstehe sie nicht an ihm -
oder vielmehr: ich würdige nicht genug die Tiefe des Leids, in
welche dieser Geist getaucht wurde, als er unter der Last seiner
Gedanken, seiner Einsamkeit und seiner Krankheit zugleich, ein
ebenso furchtbares wie großes Menschenopfer, zusammenbrach.

[552]
15

"Also sprach Zarathustra" - Nietzsche selbst hätte diesen Titel
und dieses Kehrwort in früheren Jahren streng abgelehnt. Es ist
die Tragik dieses Buches, nur allzu häufig nicht mehr gefaßt und
catonisch genug zu sein.

[553]

Ad "Zarathustras Vorrede". 1. Wo gäbe es einen größeren, tieferen

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Prolog eines Schicksals! Wo ist das Gleichnis und die Anrufung,
diesem Bilde und diesem Gebet an Würde, Heiterkeit und
Tiefe gleich?
2. Ein Waldidyll voll milder Abendsonne, als Weg zur Wendepunkt-
Wahrheit aller irdischen Kultur. Man kann hundertmal

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über diese Schlußworte hinweggesprungen zu sein meinen, bis
man eines Tages erkennt, dass sie ein Berg sind, den man vielleicht
nie ganz erklettern wird und von dem aus Zarathustra die
Wasser gen Osten und gen Westen hat fließen sehn.

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 129