Aphorismen - Politisches, Soziales - 1904

Aus DCMA
Wechseln zu: Navigation, Suche
       

 

   S. 164

Sa-band5 0164.jpg

...

1904

[704]

Hochmut der Ärzte. Wenn ein Laie etwas sagt, ist er ab ovo lächerlich.
Dasselbe oder weniger aber aus ihrem Mund, ist absolut
sakrosankt. Ein Laie hat kein Urteil, obwohl er sich 24 Stunden

20

beobachtet, wo der Arzt ihn oft nur 5 Minuten sieht.

[705]

Ja fürwahr, das Geld ist ein Dämon. Nie habe ich das Tragische
einer Reise so empfunden, wie da ich frühmorgens nach München
fuhr, zuerst auf der Stadtbahn an Arbeiterscharen mit
bittern Gesichtern vorbei, dann im Fluge durch Wiesen und

25

Kornfelder mit einem Hauch von frohem Freiheitsgefühl - und
dem Bewußtsein, dass mir für 65 M 60 Pf dies alles offenstand...

   S. 165

Sa-band5 0165.jpg

[706]

Es ist etwas ganz Eigentümliches, wie verschieden die Menschen
verschiedener Erdstriche ihre Zäune bauen. Ich erinnere mich
z.B. bei Berlin keines einzigen mir zusagenden Zaunes; es gibt
andere, die mich zu Tränen rühren können, wie die Steinzäune

5

des Tessin...

[707]

Lehrer-Komödie. Die Armut der Lehrer, während die Staaten
Unsummen für die Wehrmacht hinauswerfen. Da sie nur Lehrer
für 600 Mark sich leisten können, bleiben die Völker so dumm,
daß sie sich Kriege für 60 Milliarden leisten müssen.

 

 

Portal:Aphorismen
Autobiographische Notiz | In me ipsum | Natur | Kunst | Theater

Politisches, Soziales: 1893 · 1894 · 1895 · 1896 · 1897 · 1901 · 1902 · 1903 · 1904 · 1905 · 1906 · 1907 · 1908 · 1909 · 1910 · 1912

Kritik der Zeit | Ethisches | Lebensweisheit | Erziehung, Selbsterziehung | Psychologisches | Erkennen | Weltbild | Symphonie


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 164f.