Aphorismen - Psychologisches - 1896

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1896

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Es ist eine Kunst für sich, einen Brief zur rechten Zeit ankommen
zu lassen. Man vergißt ihrer gewöhnlich. Und doch - wie oft ein

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intimes, beschauliches Gespräch am Morgen keine Hörer an uns
fände, so mutet uns ein Brief morgens und abends anders an.

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Einer der seltsamsten Zustände ist das dunkle und unvollkommene
Bewußtsein, das wir von der Form und dem Ausdruck unsres
eigenen Gesichtes haben. So wird mir oft von diesem und

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jenem Gesichtsausdruck erzählt, hinter dem sich jedoch durchaus nicht das verbirgt, was man aus ihm schließen zu sollen
glaubt.

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Es ist ein furchtbarer Gedanke: Ich halte die Hand vors Auge und
das ganze Zimmer liegt im Dunkel usw.

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Das ist ein äußerst merkwürdiges Gefühl, wenn man sich frühmorgens
Gesicht und Kopf abreibt und sich dabei vorstellt: nun

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hast du deine Gedanken mit gewaschen und abgetrocknet.

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An den Glockensträngen der Stimmungen.

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 255f.