Aphorismen - Psychologisches - 1903

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   S. 258

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1903

[1176]

Das Kennenlernen einer neuen Stadt, Rom z. B., ist wie der Anfang
einer Liebschaft. Die ersten zwei, vier, sechs Wochen entdeckt
und erfährt man mit jedem Tage etwas Neues, endlich läßt
der Reiz nach, man gewöhnt sich aneinander, man hat sich lieb

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oder nicht lieb in einem mehr gemäßigten Sinne.

[1177]

An einem Weib, das auf deine Sinne wirkt, ist alles Überredung.
Von der Schleife des Huts bis zur Spitze des Schuhs.

[1178]

Blut hat jeder, wie es läuft und wohin es läuft - da liegt's.

[1179]

Der Stimmungsmensch ist der gefährlichste Mitmensch. Er läßt

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immer hoffen und gewährt nur allzu selten. Man kann durch ihn
leicht den Glauben an die Menschheit verlieren.

[1180]

Dem Mann ist der Geist sein Leben, dem Weib ein Mittel zu
Zwecken.

[1181]

Mut ist oft nur Mangel an Phantasie. Kein Wunder, daß er so oft

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bei großer, aber undisziplinierter Vorstellungskraft fehlt.

[1182]

Es war immer sein Ideal gewesen, sich einen Hund halten zu können.
So hat er sich halt mit einer - Uhr beholfen.

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 258