Aphorismen - Psychologisches - 1904

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   S. 259

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1904

[1183]

Bild. Erinnerungen, in den Abgrund des Vergessens fliehend
(gleitend, fliegend). Die am nächsten schwebenden Gestalten
sind schon fast in Nebel zerflossen.

[1184]
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Jeder erhebt sich selbst zum Programm.

[1185]

Kein Mensch kann etwas anderes bieten als sein eigenes Programm,
aber er soll es wenigstens so taktvoll wie möglich vorbringen,
nicht wie ein Plebejer, der sich erst zufrieden gibt, wenn er
ein paar andre niedergebrüllt hat.

[1186]
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Von der Prahlsucht der Kinder: Wille zur Macht überall versteckt.

[1187]

Tragikomödie. Ein Mensch, der seine Gründe, mit denen er bejaht
oder verneint, nicht mehr ernst nimmt, sondern unter sie
hinab in sein triebhaftes Wesen taucht.

[1188]

Wir müssen es uns, mit Nietzsche, wohl zugestehen: Der Geist ist

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nur ein gutes Mittel unseres Körpers, sich das Leben sicherer und
angenehmer zu machen. Wahrlich ein groß artiges Zauberschloß,
dieser Körper, sich solch einen prinzlichen Lakaien halten zu
können! Man hat in dem Geist lange den Erbauer zu sehen gemeint,
weil man ihn erst auf seiner letzten, raffiniert entwickeltsten

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Stufe kennenlernte. Man vergißt dabei wohl, daß, als das
Zauberschloss "Mensch" aus dem Boden wuchs, der Geist kleiner
gewesen sein muß als der kleinste Erdgeist, daß er sozusagen
noch kaum ein Geist gewesen sein kann.

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 259