Aphorismen - Psychologisches - 1910

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   S. 279

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1910

[1296]

Alles was nicht leicht verstanden wird, reizt leicht.
Die edelste Musik kann so z. B. ebenso wie die tiefste Philosophie
Gegenstand erbitterter Gegnerschaft werden.

[1297]
5

Solange das Tier noch gegessen wird, solange wird es seinen Esser
auch besitzen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Oder glaubt
man wirklich, es sei keine Beziehung zwischen der Dummheit
des Kalbes, der Kuh, des Ochsen und der ihrer Verzehrer, es übertrage
der Hammel, das Schwein, der Fisch usw. nicht ganz besondere

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psychische Hemmungen oder Reize?

[1298]

Wie wundersam ist es, das Auge von einem schönen Buch, in das
man versunken war, zu einer schönen Landschaft zu erheben.
Der kurze Übergang aus chiffrierter Geisteswelt in symbolische,
dieser jungfräuliche Augenblick unberührten Staunens, ist einzig.

15



[1299]

Es gibt nichts Schwereres, als einen Menschen, den man liebt,
einen Weg gehen lassen zu müssen, der zur nächsten Stadt führt,
statt auf den nächsten Gipfel.[1]

 

 

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Fußnoten

  1. Tschechische Übersetzung: Není nic těžšího, než muset milovaného člověka nechat jít po cestě nevedoucí na nejbližší vrchol, ale jen do blízkého města.

Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 279