Aphorismen - Psychologisches - 1913

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1913

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Es gibt Naturen, die für sich allein stundenlang mit ihren Freunden
und Bekannten reden, während ihnen in deren Gegenwart

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jeder Gesprächsstoff entfallen ist.

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Takt erfordert vor allem Phantasie. Man muß viele Möglichkeiten
der fremden Seele überschauen, viele Empfangsmöglichkeiten
und danach, was man geben kann, einrichten.

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A. Erinnern Sie sich noch an den eigentlichen Grund, warum Sie

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Ihre Frau geheiratet haben?
B. Jawohl. Sie noß so niedlich.

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Du wohnst in einem Hause, das viele Menschen mit dir zugleich
bewohnen. Einer dieser Hausgenossen ist ein auf den Tod Kranker,
von dem du weißt, und viele der andern wissen es mit dir, daß

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ihm jeder Lärm, vor allem jede irgendwie laute und grelle Musik
zur vollkommenen Folter und Marter wird. Da erscheint ein
Mann mit einer Ziehharmonika vor dem Hause und fängt an
seine Operetten zu spielen. Dein erster Gedanke ist: Dem Mann
muß sofort ein Geldstück gegeben werden, das ihn veranlaßt,

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sein Spiel einzustellen und weiterzugehen. Aber du kannst es
nicht, denn du liegst selbst zu Bett und deine Bedienung ist ausgegangen.
Aber das ganze übrige Haus! Einer wird doch gleich dir
auf den Gedanken kommen, wenigstens einer aus der nächsten
Umgebung des Kranken. Niemand rührt sich. Der Musikant

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spielt eine Viertelstunde lang, er überbietet sich.
Wie dieses Haus, so ist das Haus der Welt. Einer darinnen vielleicht
hat jeweilig den rechten ursprünglichen Gedanken - den
Gedanken, der sich im Grunde von selbst versteht - aber er ist an
seiner Ausführung gehindert. Vielen andern geht auch noch so

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etwas Ähnliches durch den Sinn - aber sie lassen es beim Gedanken
von vornherein bewenden. Ermiß daraus die Kraft der Originalität
des Menschen, berechne daraus die Möglichkeit, die
Wahrscheinlichkeit einer wahrhaft originellen Handlung.

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 281f.