Aphorismen - Sprache - 1898

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1898

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Viel schlimmer als alle Hiatusse und meine eigentlichen Feinde
sind gleiche aus- und anlautende Konsonanten wie - tt -, - dd -,
- ss - etc.
oder...
d/t, d/t, d/t / mit nach innen gezogenem Atem Ausdruck des

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Verdrusses, der Verwunderung, verbunden mit Kopfschütteln.
Parodistisch zu verwenden.

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Man meint mit der Sprache die ganze Welt in seiner Gewalt zu
haben. Und doch habe ich oft das Gefühl, als wären die Worte nur

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Knoten eines weitmaschigen Netzes, das wir über die Welt werfen.
Ach, wieviel entschlüpft uns doch durch diese weiten Maschen.
Man beobachte nur einmal, wie viele Geräusche sich jeder
wirklich genauen Bezeichnung durch ein Wort entziehen. Man

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belausche die Brandung der See: Man wird nicht alles, was man
hört, ausdrücken können. In "rauschen" z.B. ist nicht das hohle
Gedröhn enthalten, das die aufschlagenden Wogen verursachen.
In "donnern" wieder nicht ihr "Geräusch".

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Ein Lexikon, eine Sammlung wie tote Schmetterlinge aufgesteckter

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Wörter.

[622]

Liebeskompaß.

[623]


Das bittere, gepreßte "ne jamais",
das stolze, trauervolle "aldrig aldrig",
das leidenschaftlich klagende, tränenreiche "merci",

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das kurze "nimmer" und das tiefe "nie",
das mildere "niemals".

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 5, S. 148f.