Das Echo

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Vom blauen Himmel fällt die Wand
des Berges steil zum grünen See;
in ihrer Mitte baucht sich ein
zu einer Höhle schwarz ein Spalt.

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Aus Regen, Moos und Felsenmehl
geboren, haust ein Weib darin
und steift die Ohren Tag und Nacht
den See hinüber und den Wald.
Ohn' Ende rinnt von ihrem Leib,

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der erdner Farben glimmernd glänzt,
des Felsens stete Feuchte ab,
und triefend strähnt ihr grünes Haar
hinunter spitzigem Geröll.

Da schallt ein Ruf! Ihr blindes Aug'

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erweitert seinen bleichen Stern,
und, halb sich hebend, ahmt sie laut
des Rufs genaue Bildung nach.
Und reckt sich bis zum Lichte fast,
verdoppelt wachsam denn davor.

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So lauernd liegt den ganzen Tag
des Berges seltsame Geburt, -
und nur des Nachts, wenn alles schläft,
dann träumt sie wohl einmal und hängt
die braunen Knie in den Mond...

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und Maus und Echse zirpen leis,
und drunten schlägt die Flut den Stein.

 

 

Lyrik | Gedichte aus dem Nachlass Teil 4
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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 609f.