Das Königskind

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Ich ging an träumenden Teichen
vorüber in mondiger Nacht;
in den flüsternden Kronen der Eichen
spielten die Winde so sacht ...

5

Da umspann mich der Zauber der Stunde,
dass ich hemmte den einsamen Gang -
    nur die Nixen sangen im Grunde,
    tief im Grunde,
    ihren leisen, dunklen Gesang.

10

Ihr Antlitz tauchten die Sterne
ins schauernde Wellenmeer,
aus duftverschleierter Ferne
grüßten die Berge her.
Kein Laut in schweigender Runde -

15

keines Vögleins verspäteter Klang -
    nur die Nixen sangen im Grunde,
    tief im Grunde,
    ihren leisen, dunklen Gesang.

Da war mir, es käme gezogen

20

ein Nachen im leichten Wind
und trüge über die Wogen
ein strahlendes Königskind ...
Und ich rief mit bittendem Munde -
doch keine Antwort klang -

25

    nur die Nixen sangen im Grunde,
    tief im Grunde,
    ihren leisen, dunklen Gesang.

 

 

Lyrik | Ich und die Welt
Einleitung: Fritz und Liese K.
Jünglings Absage | Caritas, cartatum caritas | O - Raison d'Esclave | Gebt mir ein Ross... | Frühling | Das Königskind | Leise Lieder... | Frohsinn und Jubel... | Was rufst du... | Nun hast auch du... | Winternacht | Ein Wunsch | Als ich einen Lampenschirm mit künstlichen Rosen zum Geschenk erhielt | Entwicklungs-Schmerzen | Schicksals-Spruch | Frage ohne Antwort | Wohin? | Inmitten der großen Stadt | Am Meer | Vaterländische Ode | Der einsame Christus | Der Blick | Der Wissende | Das Auge Gottes
Stimmungen vor Werken Michelangelos: Der Abend | Ein Sklave
Frühlingsregen | Abend am See | So möcht ich sterben... | Schicksale der Liebe | Casta Regina! | Prometheus | Hymnus des Hasses | Wenn du nur wolltest | Der Spieler | Im Eilzug | An Friedrich Nietzsche | Odi profanum... | An Sirmio | Auf der Piazza Benacense | Fliegendes Blatt | Übermut | Bahn frei! | Per Exemplum | ΅Ασβεστος γελως | Botschaft des Kaisers Julian an sein Volk | Auf mich selber | Übern Schreibtisch | Vor alle meine Gedichte | Wir Lyriker | Pöblesse obligée | Einigen Kritikern | Kriegerspruch | Herbst | Ein fünfzehnter Geburtstag | Und so hebe dich denn... | Die Kinder des Glücks | Gefühl | Bei einer Sonate Beethovens | Vor die vier Sätze einer Symphonie | Kinderliebe | "Aber die Dichter lügen zu viel" | Glück | Macht-Rausch | Präludium | Wo bist du... | Gleich einer versunkenen Melodie... | Gesellschaft | Lieder! | Ewige Frühlingsbotschaft | An Mutter Erde
Aus einer Liedergruppe: Feierabend | Volkslied | Geheime Verabredung | Erntelied | Der Abend | Nachtwächterspruch | O Friede!
Erden-Wünsche | Eins und Alles | Ob sie mir je Erfüllung wird | Künstler-Ideal | An meine Seele | Mondstimmung | An die Wolken | Vor Strindbergs "Inferno" | Ne quid nimis | Quos ego! | Natura abundans | Du trüber Tag... | Konzert am Meer | Der freie Geist | Nur wer... | Die Luft ward rein... | Aus Religion | Ja trutze nur... | Morgenstimmung | Weiße Tauben | Allein im Gebirg | Abendpromenade | Görlitzer Brief | An die Moral-Liberalen | An N. | An ** | An denselben | Lebensluft | Stilles Reifen | Mensch Enkel | Abendläuten | Oh zittre mir nicht so... | Lebens-Sprüche | Was mir so viel vom Tage stiehlt... | Wohl kreist verdunkelt oft der Ball... | Singende Flammen | Moor | Nächtliche Bahnfahrt im Winter | Dunkle Gäste | Begegnung | Dunst | Ohne Geige | Venus Aschthoreth | Reine Freude | An die Messias-Süchtigen | Ersehnte Verwandlung | Mitmenschen | Die russische Truhe | Vorfrühling | Thalatta! | Zum II. Satz (Andante con moto) von Beethovens Appassionata | Eine junge Witwe singt vor sich hin | Mir kommt ein altes Bergmannslied zu Sinn | Du dunkler Frühlingsgarten...


 

 

Lyrik | Zyklus: Sommerabend
Sommerabend - Inhalt | Feierabend | Ballade | Volkslied | Wechselgesang | Der Abend | Das Königskind | Zwiegesang | Nachtwächterspruch | O Friede!


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 213f. und S. 447f.
Vertont von
Robert Kahn