Das große Lalulā - Erwin und Heiko Grosche

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Cover
Titel

Lyrical Christian Morgenstern - Eine Komposition aus Musik und Poesie

Verlag, Erscheinungsjahr
Patmos Verlagshaus, 2003
Interpreten, Produzent
Erwin Grosche: Harmonium, Mundharmonika, Geruchsorgel, Pauke, Rassel, Strohhalm, Shampoo-/Spülmitteldosen, Trinkgefäße, Eierschneider, Gesang, Sprache, Musik, Produktion
Heiko Grosche: Wind, Glocke, Mundpfeife, Sprache, Gesang
Lisa Grosche: Gesang
Pauline Schweser: Gesang
Ekkehard Czerwinski: Produktion
weitere Angaben
"Erwin Grosche ist der Morgenstern unserer Tage." Gong
Erwin Grosche, Wahl-Paderborner, "als Mensch keine Schönheit, als Schwein zu kleine Ohren", trat 1975 mit seinem Bruder Heiko und seinem ersten Programm "Groschens Phantasiefabrik" auf die Bühnen. Es folgeten u.a. die Soloprogramme "Manche Gegenstände sind humorlos", "Gescheiterte Wunder", "Über die Geschichte der Buchungsmaschine", "Dem Tiger die Stirn bieten", "Herr Helsinki will nicht Hauptstadt werden". Mit seinem Bruder "Pepita - Die Mode geht, Pepita bleibt". Er wurde mehrfach ausgezeichnet u.a. 1985 mit dem Kleinkunstförderpreis der Stadt mainz zum Deutschen Kleinkunstpreis, 1999 mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, 1996 mit dem Prix Pantheon, 2000 mit dem Kulturpreis der Stadt Paderborn und 2002 mit dem Gaul von Niedersachsen.
"Erwin Grosche ist vielleicht der Pan Tau der deutschen Kleinkunst ... auf seine Art der Buster Keaton des Kabaretts." Süddeutsche Zeitung
Heiko Grosche erhielt seine Schauspiel-Ausbildung an der Folkwang-Hochschule, Essen. Danach spielte er an den Städtischen Bühnen Essen, dem Staatstheater Kassel, wirkte im Choreographischen Theater Pavel Mikulastiks bei den Ruhrfestspielen mit, trat u.a. an den Hamburger Kammerspielen, dem Theater am Halleschen Ufer, Berlin, im Unterhaus Mainz und Kom(m)ödchen Düsseldorf, in den Varietés Tigerpalast in Frankfurt, GOP in Hannover und dem Traumtänzerfestival sowie auf der EXPO 2000 auf.
vorgertragene Gedichte
  1. Bim, Bam, Bum
  2. Tagebuchnotiz, 1893
  3. Das große Lalula
  4. Es pfeift der Wind ...
  5. Möwenlied
  6. Wer weiß ob die Gedanken ...
  7. Die Hochzeit der Dinge
  8. An die Wolken
  9. Mich erfüllt Liebestoben
  10. Der Rabe Ralf
  11. Der Weltkurort
  12. Das Ballonhotel
  13. Telegraphen-Bureau-Fuchs
  14. Aus dem Anzeigenteil einer Tageszeitung des Jahres 2407
  15. Er
  16. Der Seufzer
  17. Galgenberg
  18. Das Zuckerspiel
  19. Wie sich das Galgenkind die Monatsnamen merkt
  20. Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst
  21. Der Teppich
  22. Schlichte Gedanken
  23. Es gibt ein Gespenst
  24. Fisches Nachtgesang
  25. Der Schnupfen
  26. Das Mondschaf
  27. Lunovis
  28. Lärmschutz
  29. Künstliche Köpfe
  30. Die Fingur
  31. Korf erfindet eine Art von Witzen
  32. Der Apfelschimmel
  33. Das Knie
  34. Das Hemmed
  35. Der Walfafisch
  36. Der Aromat
  37. Die Geruchsorgel
  38. Die Nieswurzsonate
  39. Vorankündigung
  40. Zehnmaliges Erschießen des Wortes Weltgeschichte
  41. Das Fest des Wüstlings
  42. Das Nasobēm
  43. Die beiden Esel
  44. Im Tierkostüm
  45. Neue Bildungen, der Natur vorgeschlagen
  46. Das Gebet
  47. Galgenkindes Wiegenlied
  48. Tagebuchnotiz
  49. Wenn ich aber tot sein werde ...
Hörproben
Korf erfindet eine Art von Witzen (gesprochen von Erwin Grosche)
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Das Mondschaf (gesprochen von Heiko Grosche)
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Ein Seufzer (gesprochen von Lisa Grosche)
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Rezensionen

Süddeutsche Zeitung, 24.12.2003

Quelle: www.buecher.de

DAS HÖRBUCH

Ganz nett

Erwin und Heiko Grosche streicheln Morgenstern

Man muss sie einfach mögen, Palmström, das Mondschaf, die Fingur und all die anderen zarten Wesen, die Christian Morgenstern erträumt hat. Das Knie, das einsam seinen Weg geht, der Schlittschuh laufende Seufzer, dem seine glühende Liebe zum schmelzenden Verhängnis wird, das Nasobem, auf seinen Nasen schreitend. Recht unschuldig eigentlich und doch etwas spöttisch kommen sie daher, zugleich von leichter Melancholie umfangen.

Morgenstern war kein böser Dichter. Seine rein satirischen Texte – auf die Werbeindustrie etwa – wirken heute ziemlich lau und matt. Da hilft weder das erregte Gerufe, mit dem Heiko Grosche für das „Telegraphen-Buereau Fuchs” eintritt, noch die scheinbare Ernsthaftigkeit, mit der Erwin Grosche „Aus dem Anzeigenteil einer Zeitung des Jahres 2407” vorträgt. Morgensterns Fantasien über die Zukunft der Konsumgesellschaft sind leider allzu niedlich. Lachen wird man über diese geradezu optimistischen Szenarien heute kaum mehr.

Aber das muss der Freude an den weitaus skurrileren und spielerischeren Gedichten ja keinen Abbruch tun, ist die Auswahl auf dem Hörbuch „Das große Lalula” insgesamt auch ein wenig unglücklich geraten. Zu fragen ist aber nach dem Beweggrund, überhaupt eine solche CD zu produzieren. Dass der schlichte „Wunsch” eines Kabarettisten, sei er auch „lang gehegt”, einem Vorbild oder Vorläufer Referenz zu erweisen, noch lange kein gutes Ergebnis garantiert, dürfte klar sein, auch wenn das Beiheft hier anderes suggeriert, indem es von Neigungen anstatt von Notwendigkeiten spricht.

Die Brüder Grosche sind professionelle Stimmarbeiter, ihr Vortrag ist virtuos. Sie artikulieren äußerst präzise und schonen sich nicht, was Tempo- und Lautstärkewechsel angeht. Zudem verfügen sie über ein hinreichendes Register an Stimmlagen. Etwas Neues aber gewinnen sie Morgensterns Texten nicht ab, zu sehr verlassen sie sich auf deren ironische Qualitäten. Dieses Potential aber scheint schon lange und nicht zuletzt durch die vielen Vorgängerprojekte ausgeschöpft. Morgenstern ist ein Netter. Bürstet man ihn nicht zuweilen ordentlich gegen den Strich, macht man aus ihm schnell einen Langweiler. Pathos und Peinlichkeit wären probate Mittel, den Hörer ein wenig aufzumischen. So aber witzelt bloß, was witzig sein könnte.

TOBIAS LEHMKUHL

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 09.08.2003

Quelle: Zusammenfassung auf http://www.perlentaucher.de/buch/14830.html

Vor dieser CD-Einspielung von Morgenstern-Gedichten warnt Joachim Kalka ausdrücklich. Es handle sich, kurz gesagt, um einen "Schulfall dafür, wie man Morgenstern nicht vortragen darf". Die Brüder Jochen und Heiko Grosche nämlich glauben, durch ihren Vortragsstil demonstrieren zu müssen, wie witzig die Gedichte sind, die sie sprechen - eine Verdopplung, die ins Kabarett gehört, Morgenstern aber keinesfalls gerecht wird. Reproduziert werde so, klagt Kalka, immer wieder nur der "Markenartikel 'Humor'", unter den Tisch fällt das, was den Dichter so groß machte, seine "Sprachphantasie".