Die Auferweckung des Lazarus

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"Herr, siehe, den du lieb hast, der liegt krank!"
Dies sandten Martha und Maria ihm.

Als nun die Schwestern hörten, Jesus kommt,
geht Martha ihm entgegen. Doch Maria

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(dieselbe, die ihn später selber salbte
mit edlem Öl und ihm die Füße trocknet'
mit ihren Haaren) - diese blieb daheim.

Spricht Martha: Herr, o wärst du hier gewesen,
mein Bruder wäre nicht gestorben. Doch

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ich weiß, dass, was von Gott du bittest, das
wird Gott dir geben. Jesus drauf: Dein Bruder
soll auferstehn. Drauf sie: Ich weiß wohl, dass
er auferstehn wird in der Auferstehung
am jüngsten Tage. Jesus spricht zu ihr:

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Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Wer an mich glaubt, der lebt, ob er gleich stürbe.
Und wer da lebt und glaubt an mich, er wird
nie sterben. Glaubst du das?

Sie spricht zu ihm:

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Herr, ja, ich glaube, dass du Christus bist,
der Gottessohn, der in die Welt gesandt ward.

Und da sie das gesagt, ging sie und rief
Marian heimlich: Schwester, komm, der Meister
ist da und ruft dich. - Sie, als sie das hörte,

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stand eilend auf und ging zu ihm hinaus,
denn Jesus war noch außerhalb des Fleckens.
Die Juden aber, die sie trösten sollten,
machten sich auf, da sie sie eilen sahn,
und redeten: Sie gehet hin zum Grabe,

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dass sie dort weine. Als Maria nun
hinkam, da Jesus war, und sähe ihn,
da fiel zu seinen Füßen sie und sprach:
Herr, wärst du hier gewesen, o, so wäre
er nicht gestorben. - Als nun Jesus sah

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sie weinen (und die Juden, die mit ihr,
auch weinen) - da ergrimmte er im Geist
und haderte mit sich. - Und sprach: Wo habt ihr
ihn hingelegt? Sie sprachen zu ihm: Herr,
komm mit und siehe es. Und Jesu gingen

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die Augen über... (Denn er liebte sie
mehr als sich selbst.) Maria und ihr Harm
um jenen und ihr Glaube an ihn selbst,
Ihn, der ihm hätte helfen können, sollen,
noch sollte, - machte, dass sein ganzer Leib

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ihm bebte: und aus seiner großen Liebe,
Schwermut und Liebe zu der Seele, die
Ihn liebte, Seiner Seele
kam ihm die Kraft, von der er wusste, dass
sie selbst den Tod bezwang - und ging zum Grabe

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und ließ den Stein abheben von der Kluft
und hob die Augen auf und betete
und rief: Lazare, komm heraus! Und der
Verstorbne kam heraus, gebunden mit
Grablinnen, an den Füßen und den Händen,

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und sein Gesicht verhüllt mit einem Schweißtuch.

Und Jesus spricht: Hört ihn und lasst ihn gehn...

Und die Juden sprachen:
Siehe, wie hat er ihn so lieb gehabt.

Doch Er litt nur mit ihr, ihr - die er liebte,

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nur um sie, sie - die da in Tränen vor ihm kniete,
das Leid.
das [?] er ihr angetan, da er nicht kam [bricht ab]

 

 

Lyrik | Christus-Zyklus
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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 494ff.