Die Flamme

Aus DCMA
Wechseln zu: Navigation, Suche
       

 

"So sterben zu müssen -
auf einer elenden Kerze!
tatenlos, ruhmlos
im Atemchen

5

eines Menschleins
zu enden! ...
Diese Kraft,
die ihr alle nicht kennt -
diese grenzenlose Kraft!

10

Ihr Nichtse! ...
Komm doch näher,
du schlafender Kopf!
Schlummer,
der du ihn niederwarfst -

15

ruf doch dein Brüderlein Tod -
er soll ihn mir zuschieben -
den Lockenkopf -
ich will ihn haben - haben!
Sieh,

20

wie ich ihm entgegenhungre!
Ich renke mir alle Glieder
nach ihm aus ...
Ein wenig noch näher -
näher -

25

ein wenig -
so -
jetzt vielleicht -
wenn's glückt -
ah! du Hund!

30

Er will erwachen?
still -
still -
so ist's noch besser!
Der Pelz am Mantel -

35

Der Pelz - der Pelz -
hinüber - hinüber -
ahhh! fass ich dich - hab ich dich -
hab ich dich, Brüderchen -
Pelzbrüderchen, hab ich dich - ahhh!

40

Hilft dir nichts -
wehr dich nicht mehr!
Mein bist du jetzt -
Hand weg!
Wasser weg!

45

Mein bist du jetzt!
Wasssser weg!
Wart', da drüben ist
auch noch für mich -
so -

50

den Vorhang hinauf -
fängst mich nicht mehr -
Tuch - Tuch -
jetzt bin ich Herr!
Siehst du, jetzt breit' ich mich

55

ganz gemächlich im Zimmer aus -
lass doch den Wasserkrug!
Lass doch das Hülfgeschrei!
Bis sie kommen
bin ich schon längst

60

in den Betten und Schränken -
und dann könnt ihr nicht mehr herein -
und ich beiß' in die Balken der Decke -
die dicken, langen, braunen Balken -
und steig' in den Dachstuhl -

65

und vom einen Dachstuhl
zum andern Dachstuhl -
und irgendwo
werd' ich wohl Stroh finden,
und Öl finden,

70

und Pulver finden -
das wird eine Lust werden!
Das wird ein Fest werden!
Und wenn ich die Häuser alle zernichtet -
dann wollen wir mit Wäldern

75

die Fische in den Flüssen kochen -
und ich will euch hinauftreiben
auf die kältesten Berge -
und da droben

80

sollt auch ihr meine Opfer werden,
sollt ihr meine Todesfackeln werden -
und dann wird alles still sein -
und dann -

 

 

Lyrik | Auf vielen Wegen
Meinem Freunde Friedrich Kayssler
Träume: Hirt Ahasver | Die Irrlichter | Mensch und Möwe | Der Schuss | Der gläserne Sarg | Der Stern | Der Besuch | Das Bild | Malererbe | Das Äpfelchen | Rosen im Zimmer | Kinderglaube
Vom Tagwerk des Todes: Der Säemann | Vöglein Schwermut | Der Tod und das Kind | Der Tod und der Müde | Der Tod und der einsame Trinker | Der fremde Bauer | Der Tod in der Granate | Im Nebel | Am Ziel | Die Gedächtnistafel | Am Moor | Im Fieber
Eine Großstadtwanderung
Vier Elementarphantasien: Meeresbrandung | Erdriese | Der Sturm | Die Flamme
Gedichte vermischten Inhalts: Kleine Geschichte | Das Häuschen an der Bahn | Amor der Zweite | Der zeitunglesende Faun | Goldfuchs, Schürz' und Flasche | Die Brücke | Der Tag und die Nacht | Der Schlaf | Pflügerin Sorge | Legende | Die apokalyptischen Reiter | Parabel | Das Ende | Der Born | Der Urton | Der einsame Turm
Waldluft: Aufforderung | Krähen bei Sonnenaufgang | Das Häslein | Mittag-Stille | Der alte Steinbruch | Beim Mausbarbier | Elbenreigen | "Ur-Ur" | Geier Nord
Zwischenstück: Fusch-Leberbrünnl | Anmutiger Vertrag | Die beiden Nonnen | Am See | Auf dem Strome | Frage | Sehnsucht | Friede | Bestimmung
Neue Gedichte der 2. Auflage (1911): Bergziegen | Mattenrast | Nebel im Gebirge | Sommernacht im Hochwald | Der vergessene Donner


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 147ff.
Interpretiert von
Gert Fröbe


Die personifizierten Urgewalten der vier Elemente sprechen ihr naturdämonisches Wesen in Monologen aus, in denen sie meist ihren feindlich-zerstörerischen Charakter kundtun.