Die dritte erzählt

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Ich trennte euch, saß zwischen ihr und dir -
entsinnst du dich? Es war noch damals, als
kein Wort noch zwischen euch gefallen war;
wir warteten im abenddunklen Tal

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am kleinen Bahnhof auf den Brenner-Zug...
Ein Irgendetwas hatte zwischen euch
ein Schweigen voll von Traurigkeit gelegt,
ich fühlte es, nein, nein, ich - spürte es:
Ein Strom von Lieb' und Leid und Sehnsucht ging

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durch mich, die Trennende, hinüber und
herüber... niemand sprach... Ihr saht euch nicht.
ich schied euch allzugut durch meinen Leib -
("oh lieber Leib, o zarter Mensch und Freund!").
Verzeiht mir, dass ich damals blieb und nicht

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mich zwischen euch herauszog wie ein Wehr
aus zwei Gewässern, die zusammenwollen;
verzeiht mir, dass ich blieb und es ertrug,
wie ihr durch mich euch suchtet und umfingt
und hieltet und schwermütig küsstet - o - -

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die braunen, schweren Südwind-Abendwolken,
sie zogen hoch im Blassen längs dem Saum
der eben erst von uns verlassnen Berge
wie zweite, geisterhafte Berge hin, -
ein schmerzlich Schicksal, doch ein großes auch.

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Ja, ja, in ihnen wohnte die Geberde
der großen, namenlosen Schmerzlichkeit,
die Leben heißt...
O Abend jenes Tags . . .
Entsinnst du dich - entsinnt ihr euch noch, wie

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ich damals euer "trübes Mittel" war -
Ihr - Licht - - -!

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 2, S. 187f.