Ein Goyascher Alpdruck

Aus DCMA
Wechseln zu: Navigation, Suche
       

 

Selbstgespräche Gottes, des Teufels

I

Dies wisse , daß mein ungeheurer Haß
wider mich selbst mir all die Marter eingibt
wider mich selbst. Mit fürchterlicher Faust
will ich mir selbst die Knochen brechen, will

5

mir selbst das Hirn zerspritzen, mir
der ich nicht lassen kann zu leben, mir,
der ich nicht nicht sein will und doch nicht Gott sein kann.


II

Sieh her , dies bin ich! Schau mich aus mir an!
Ich riß dich mit hinein in mich. In mir
als Weltall schlepp ich von Geburt dich zu Geburt
Myriaden Sonnen ward ich, Ich und Du,

5

in furchtbarer Umschlingung. Bist du nun
endlich besiegt? Erkennest mich in dir
als deinen Meister, deines Schicksals Herrn?
So sprich doch halt! zu mir, so wirf mich doch
zu Boden, daß im selben Augenblick

10

das Herz des Lebens stockt, so spei mich doch
wie Unrat aus - mein Herr und Gott! Du schweigst!
So komm denn weiter. Ewigkeiten sind
noch mein. Doch einmal werd ich wohl den Tag
ertrotzt sehn, - wo du in mir aufstehst und

15

mich tötest - und in mir: Dich selbst zugleich!

 

 

Lyrik | Gedichte aus dem Nachlass Teil 7
Geschenke von und an | Nach Herausgabe eines neuen Opus | Ihr kennt sie nicht | Vorbei! | Ihr faht mich nicht | Der Sprachkritiker | An Fritz Mauthner | Vergangenheit - was ist das doch | Ecce Germania | Schmerzliche Täuschung | An Lotte O. | Du wunderliches Kind | Deus ait | Ich ward vom Leben | Gebet Sindbads, des Lastträgers | Die ihr am Leben leidend lebt | Gib mir eines deiner Kissen | Muß es sein | Unsern "Neutönern" | Trinklied | An Kurt Friedrich, Sommer 1907 | Von Freibergen | Über Richard Dehmel. Fragmente | Eine Threnodie auf den Doktor - nicht den Dichter - Dehmel, als ich seine neuen "Verwandlungen der Venus" gelesen | Der überzählige Tag | Ein Traum | Ein Goyascher Alpdruck | Woran du glaubst | O meine Zeit | Ich schlief | Wilhelm Busch an Marcelle Tinayre | Geliebter Traum | Mir graute schon | Der Täufer | Ein Christus auf jedem Erdensterne | Wer kann schlagen | Am Rande der Epoche sitzt | O wenn ihr wüßtet | Mich ekelt all dies | Ich wuchs in einem harten Alter auf | Was blutest du mir | Frau und Dichter | Ja, in dem Winkel des Munds | So fallen Wanderschwalben | Mädchenwünsche | Was aus des Blutes Brunnen | Schon lange wurmt's mich | Ihr ewigen Mächte | Ich zeichne nicht | Der raisonierende Gemeinplatz


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 2, S. 298f.