Ein Schicksal

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Ich bin größer als viele.
Aber nicht stark genug zu meiner Größe.
Wenn ich gerade stehe,
ziehen meine Schultern

5

das ungeheure Netz der Gewohnheit
ein wenig empor.
Eine fürchterliche Last
für zwei junge Schultern,
für zwei junge Knie.

10

So sehe ich über alles hin,
rundum ist der Blick frei -
aber um welchen Preis!
Ich zittre an allen Gliedern.
Das Gewicht Tausender

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hängt ja an mir.
Das schreckliche Netz
will nicht gedehnt sein -
das Garn schneidet.
Schweiß läuft mir herab,

20

meine Augen rollen,
ich kann nicht mehr,
ich sinke zusammen,
ich breche zu Boden -
ich knie,

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ich bete, -
das Netz - das Netz -

 

 

Lyrik | Gedichte aus dem Nachlass Teil 4
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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 614