Entwickelungs-Skizzen

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I

Saturn , du fernsther dämmerndes Gebilde,
wie fass ich dich, du ganz noch Geist im Geiste,
in deiner ungeheuren Macht und Milde!

Denn als dein Leib noch in den Himmeln kreiste,

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da war sein Wesen einzig Opferwärme,
die rings der grenzenlose Raum umeiste.

In sie versenkten sich die schönen Schwärme
göttlicher Meister, je nach ihren Gaben,
und bildeten die erste Menschen -Herme.

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Und ganz wie Marmorhermen, ausgegraben,
bleich sind und stumm, doch, fällt auf sie ein Feuer,
sich seltsam wie Lebendige gehaben:

So füllt am Ende deine Riesenscheuer
von Scheinlebendigen ein solch Gewimmel,

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dass schal wird jedes Maß und jede Steuer -

Und da verschlingt dein Bildnis schon der Himmel...


II

Die Sonnengeister hatten sich getrennt
vom Erdenwerden; denn die Erden wesen,
sie hemmten ihr geflügelt Element.

Sie waren längst zu höherem Sein genesen,

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indessen jene sich noch schwer hinmühten,
zu solchem Sturm der Kraft noch nicht erlesen.

So in Legionen Rosenfeuerblüten
war eines Tags die Sonne fortgeflogen -
um uns fortan von außen zu bebrüten.

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Wir aber, solcher Trennung höchst gewogen,
erfreuten uns zuerst der neuen Freiheit,
bis uns die Mondenkräfte abwärts zogen.

Ganz unerträglich drückte deren Bleiheit...
Und also ging denn auch der Mond von hinnen

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und schuf damit die schicksalsvolle Dreiheit -

Und nun erst konnten wir im Ernst beginnen.


III

Mond - - Jupiter ! in seinen Händen wägt
der Mensch Euch. Von dem einen kommt er her,
zum andern will er hin und will damit
nur abermals in Mondenart hinauf:

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nur dass im Jupiter der Alte Mond
zum Neuen Monde wird, so wie dereinst
im Venusstern die Alte Sonne sich,
und endlich der Saturn sich wiederholt.
Mond - - Jupiter! Traumhaftes Weben dort,

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zu Leben, vollbewusst, gewandelt hier!
Geträumt in Bildern einst der Schöpfung Kreis,
geschaut in Bildern dann der Schöpfung Rund!
Geträumt - - Geschaut! In Bildern beides wohl,
doch was für Bildern! Wenn du jetzt, o Mensch,

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die Sterne zählst im tiefen Schoß der Nacht,
so ist dies Zählen deine große Tat;
doch ach, dies Zahlen, festgehalten wär's,
als Zwang, als ewiges Muss ein grauer Fluch!
O, nicht das Weltall, das wir jetzo schaun,

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ist unsrer Heimat wahr und ganz Gesicht!
Dies heilige Antlitz, dem man nicht mit Maß
und Brillen länger nahn darf, als es ziemt,
es auch mit Maß und Brille zu begreifen,
es wird uns endlich wieder schimmern, wie

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dereinst im Traum, so dann in wacher Schau.
Und ein Verstehn - wo früher nur ein dumpf
Empfinden war, ein ahnendes Verstehn
der Götterwelt, inmitten deren sich
der Mensch zum Gott empor lebt, als ein Glied,

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dem einst gegeben sein wird, Ewiges
zusammen mit den Ewigen zu tun,
wird unser Antlitz jenem Antlitz dann
als Spiegel weisen. Christus - Luzifer
erschaut zum ersten Mal bewusst im Bild,

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im Weltenbilderwachtraum - Uranos.

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 2, S. 245ff.