Epigramme, Sprüche und ähnliche lyrische Formen 161 - 170

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161

An Cathérine R.

Du bist von jenen feinen Leserinnen,
in denen unsre Verse schöner werden,
so schön, wie sie zu werden nie verdienen.

Ich sehe dich mit herrlichen Geberden

5

an meinen schlichten Träumen weiterspinnen,
und Wunder webt dein reiches Herz aus ihnen.

162

Jüngling und Mann

Der Jüngling schwört es und der Mann vergißt es.
Der sagt: so soll es sein! und der: so ist es.

163

Der Gelehrte und Goethe

"Ich weiß, was er zu jeder Zeit gesagt,
doch mein Gewissen hat er nie geplagt."

164

Was berufst du dich auf Goethen,
selbstverliebter Larpurlar!
Kann dich doch ein Wort schon töten:
"Was fruchtbar ist, allein ist wahr."

165

L'art pour l'art, das heißt soviel:
Wir haben nur noch Kraft zum Spiel .

166

Der Übermensch ist schon kopiert,
wenn man das Dutzend nur chokiert.

Und suchst du einen Zeitvertreib,
so bist du auch schon Überweib.

167

An einen jungen Priester

Uns trenne nichts, mein junger Menschenbruder,
wenn nur du wahrhaft glaubst an deine Gottheit
und mich in Frieden lässest mit der meinen.
Ich will dich nicht nur dulden neben mir,

5

wie deine Lehrer uns Gottlosen taten -
Du sollst mir heilig sein als Lebenskünstler,
der auf des Lebens schauerlichen Wassern
wandeln will, wie ich.

168

Magisterfreuden

Germanen sieht man wenig an,
der Germanist ist heut der Mann;
wir andern können nur radebrechen,
er weiß alleinzig "deutsch" zu sprechen.

5

Und ob er auch nicht fähig ist,
ein armes Wörtlein selbst zu zeugen -
(der Germanist, mein Germanist)
er weiß, daß nichts so wonnig ist,
als - Schaffende zu beugen.

169

Der sparsame Dichter

"Willst du nicht Artikel schreiben?" -
Laßt's beim Epigramme bleiben.
Kann ich's euch in zehn Zeilen sagen,
was euch verwundert,

5

warum euch Honorar abjagen
für hundert.


170

Gladstone

Er könnt' nie über etwas lachen.
Wie kann ein Mann so tief verflachen!
Wer sich nicht selbst verspotten kann,
der ist fürwahr kein ernster Mann.

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 2, S. 391ff.


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Der vollständige Text ist in der Stuttgarter Ausgabe zu finden.
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