Epigramme, Sprüche und ähnliche lyrische Formen 531 - 540

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531

Ich habe mich zu halten nie gewußt,
ich lebte ohne rechte Zucht so hin -
und fand trotz allem einen Lebenssinn,
zu groß für einer Menschheit Riesenbrust.

532

Was gab ich denn den Menschen, das mir nicht
Natur, die gütige, zuvor gegeben.
Ich bin nur wie ein Krug, in dem das Leben,
die ewige Quelle, seine Wellen bricht.

533

Wer wär ich, wüsst ich mein Wohin
und könnte sagen, wo ich ende;
ich weiß nur, dass ich Wandrer bin
und wandernd meinen Tag verschwende.

5

Ihr, ins Gewand der Pflicht geschient,
ihr mögt, ihr müsst den feindlich messen,
der hat, was ihr entbehrt, und dessen,
was ihr besitzt, sich dreist bedient.

534

Letztes

Ein Hütte,
mich,
ein Mädchen,
Ruhe vor der Welt.

5

Und dann:
Alles
für die Welt!

535

Die Überzeugten

Sie sitzen alle auf Stühlen
mit wohlgedrechselten Beinen.
Sie nennen das ihr Meinen,
sie nennen das ihr Fühlen.

536

Ein Wort verdamm' ich schonungslos zur Hölle:
das Wörtlein "nett", gebraucht an falscher Stelle.

537

Richterphantasie

Vor dem irdischen Gericht
gingst du deiner Wege,
doch es wartet. Bösewicht,
droben mein Kollege.

538

Ich achte heut noch, was ich einst geachtet:
Dem Manne Schmach, dem Geld und Gut gegeben,
ohn' dass er durch ein zwiefach adlig Leben
den blinden Zufall auszugleichen trachtet.
Verharren wir im "Unsern" ohne Liebe,
so schilt man uns nicht nur, so sind wir Diebe .

539

Mich geht der Jesuit nichts an. Jedoch
sein Satz vom Zwecke, der das Mittel heiligt,
er ist vielleicht ein Griff ins Herz des Lebens:
wenn Welt das Mittel ist zu Gott als Zweck.

540

Heute schreiben wir noch "Welt".
Doch als "wellt" wird's klarer vorgestellt.

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 2, S. 473ff.


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Der vollständige Text ist in der Stuttgarter Ausgabe zu finden.
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