Fritz Huhnen

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  • 26. Dezember 1895 † 15. Dezember 1981

Illustrator des Buches Der Gingganz mit den Zeichnungen von Fritz Huhnen. Kunstverein Krefeld. 1985

In memoriam Fritz Huhnen

100 Jahre wäre er geworden

Huhnen im Atelier
Leichenzug
Portraitstudie Professor Peter Bertlings
Stelzengänger

von Marlis Overdick

Durch den bekannten Krefelder Galeristen R. D. Krüll wurden mein Mann und ich auf Fritz Huhnen aufmerksam gemacht. Wir waren so begeistert, daß wir gleich fünf Bilder von Fritz Huhnen kauften. Dies war der Beginn einer echten Sammlerleidenschaft. Wir bemühten uns, alles, was Fritz Huhnen betraf, zu Stelzengängererfahren und nach Möglichkeit auch zu erwerben.

Ich möchte versuchen, einiges über das Leben eines Mannes zusammenzustellen, den ich leider nie persönlich kennengelernt habe, aber aufgrund seines großen, glänzenden Künstlerlebens sehr verehre. Auch habe ich mit Menschen gesprochen, die ihn sehr gut kannten, und dabei erfuhr ich sehr viel über seine menschliche Liebenswürdigkeit und über seine Liebe zur Literatur und zur Musik.

Fritz HuhnenAm 26. Dezember 1895 wurde Fritz Huhnen in Krefeld geboren.

1911 begann er eine Architektenlehre und besuchte die Kunstgewerbeschule in Krefeld.

1915 arbeitete er als freier Maler. Er war Mitglied der Gruppen "Junges Rheinland" und "Rheinische Sezession".

Von 1915 bis 1918 war er Soldat, arbeitete als Kriegsmaler in Frankreich und Rußland und war Bühnenmaler am Fronttheater in Montmédy.

Ab 1924 war er als Bühnenbildner am Krefelder Stadttheater tätig sowie als Zeichner für den "Generalanzeiger" und die "Westdeutsche Zeitung".

Um das Jahr 1926 muß seine erste Einzelausstellung bei der Galerie Flechtheim in Düsseldorf gewesen sein. Es folgte ein etwa einjähriger Berlin-Aufenthalt.

1932 malte er die beiden großen Wandbilder "Musik" und "Wein" in der "Bosi-Bar", der bombensicheren Kellerbar, des "Seidenfadens".

1935 hieß das erste Krefelder Prinzenpaar Fritz Huhnen und Lilo Lange. Ihr Motto lautete "Kri-ewel packt ut". Die Proklamation fand im "Seidenfaden" statt.

1943 zerstörte der große Luftangriff zahlreiche Arbeiten, die Bibliothek und die Wandbilder. Nach diesem Angriff ging Fritz Huhnen mit dem Krefelder Theater nach Hirschberg (Schlesien). Es folgte die militärische Dienstverpflichtung.

1945 kam er in britische Gefangenschaft.

Nach 1946 war er als Bühnenbildner, Pressezeichner und freier Maler tätig.

1947 wurde er Mitglied der Münchener Künstlervereinigung "Neue Gruppe" und beteiligte sich an deren Ausstellungen. Sein Buch "Gute, Böse und Krefelder" erschien.

1961 erhielt er die Thorn-Prikker-Ehrenplakette der Stadt Krefeld.

1966 wurde er zum 70. Geburtstag mit dem Ehrenschild der Stadt Krefeld ausgezeichnet.

1975 erschien, mit 80 Zeichnungen von Fritz Huhnen, der Nachdruck von Christian Morgensterns "Palmström".

1978 wurde "Der Mantel" von Nicolai Gogol mit Zeichnungen von Fritz Huhnen gedruckt. Die 1923 entstandenen Zeichnungen wurden mittels Zinkätzungen im Buchdruck reproduziert. Das Werk entstand im Auftrag des Krefelder Kunstvereins und wurde in einer einmaligen Auflage von 1 000 numerierten Exemplaren hergestellt.

1980 wurde im Herbst aus Anlaß seines 85. Geburtstages als bibliophile Ausgabe Franz Kafkas "Die Verwandlung" mit Zeichnungen von Fritz Huhnen veröffentlicht. Die Zeichnungen entstanden bereits Ende der vierziger Jahre. Auch von diesem Buch gab es nur eine einmalige numerierte Auflage von 1 000 Exemplaren.

1981 verstarb er am 15. Dezember im Willicher Krankenhaus.

1985 richtete ihm das Kaiser Wilhelm Museum eine Gedenkausstellung aus.

Im Hochhaus auf der Rheinstraße war sein letztes Vorkriegsatelier. Dort wurden viele seiner Zeichnungen und seine erlesene Bibliothek ein Opfer der Flammen.

Fritz Huhnen lebte zuletzt im obersten Stock von Krefelds seinerzeitigem höchsten Haus, dem Philadelphiahaus. Hinter seiner Etagentür erblickte man Berge von Zeitschriften und Büchern. Sein Atelier war zum Bersten gefüllt. Aus Mappen und Schubladen quollen Aquarelle, Zeichnungen, Illustrationen und Gouachen hervor. Zeichnen mußte er überall. Selten sah man ihn ohne seinen Skizzenblock. Er zeichnete auch auf seinen Kontoauszügen sowie auf Speisekarten oder Bierdeckeln in Lokalen. Jedes Papier, das einen weißen Fleck hatte, wurde bemalt.

Als eifriger Fahrradfahrer wurde er in Krefeld gesehen. Er liebte seine Heimatstadt und seine "Krefelder".

"Ein glänzendes Künstlerleben ist zu Ende", schrieb Ernst Hoff 1981 in einem Nachruf auf Fritz Huhnen.

Mit diesen Zeilen möchte ich die Erinnerung an Fritz Huhnen wachhalten, den Sohn unserer Stadt, der das Stadtgeschehen mit erlauchtem Witz beleuchtete und als Pressekommentator des Stadtvolks geliebter Fritz war. Kürzlich erhielt das Haus der Gemeinschaft Krefelder Künstler ihm zu Ehren die Bezeichnung "Fritz-Huhnen-Haus".

Aus: die Heimat. Krefelder Jahrbuch

Sonderdruck. Herausgegeben vom Verein für Heimatkunde in Krefeld. Jahrgang 66, November 1995. ISSN 0342-5185

Quelle: Text und Bilder aus http://www.galerie-heidefeld.de/kuenstler/Huhnen_Fritz/about.htm entnommen.