II. Maria, eines Tischlers Töchterlein (o. T.)

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II.

Maria,
eines Tischlers Töchterlein,
ist einer Blumenhalle
flinke Fee.

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Und heute, als am Sonntag,
hat sie längst
den trauten Morgenträumen
sich entrissen
und ordnet schmuck

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die Stöcke und Bouquets
und nimmt dem Landfuhrwerk
die Rosen ab,
die es allwöchentlich
zum Markte liefert.

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In weißem Kleidchen
steht das feine Kind
in seiner sechzehnjährigen Unschuld da,
und all der Blumen
frische Morgenpracht

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ist nur die Folie
jener zarten Reize.

Nachdenklich passt gerade
ihre Hand
zwei Blüten zueinander,

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eine blasse
und eine dunkle, -
als zur offenen Tür
ein junger Mann
mit freiem Anstand eintritt.

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Zu einem langen Blicke
spricht sein Mund
um eine Rose
ihr Erröten an,
und da sie ihm

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unklaren Bangens voll,
die dunkle reicht -
ergreift der Jüngling sanft
ihr schmales Handgelenk
und küsst die Rose

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und biegt zurück es
nach dem Gretchenkopf,
bis auch ihr Mund
den Purpur scheu berührt.
......................

 

 

Lyrik | Zyklus: Der Weltkobold
Motto | Im Mund die Abendzigarette | Aller Ort' | Weltkobold ist verliebt | Maria, eines Tischlers Töchterlein | Durch die Gassen geht der Abend | Die Nacht ist tief geworden | Vertrau mir, Kind | In jagendem Wolkenboot | Weltkobold im Land der Bärenhäuter, Fassung I | Weltkobold im Land der Bärenhäuter, Fassung II | In seiner Hängematte liegt der Gott


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 427f.