III. Durch die Gassen geht der Abend (o. T.)

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III.

Durch die Gassen geht der Abend,
und mit ihm flaniert Weltkobold
vor das Fenster seines Liebchens.
Ach von Morgen bis zum Abend,

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welch entsetzlich lange Pause,
unerträglich - hätt' er nicht in
einem Kornfeld sie verschlafen.




Endlich, endlich! ... Aus den Toren
gehn sie in die Feierstille

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nächtlich einsamer Gefilde.
Aber ist's schon Wonne, wenn sich
Menschen lieben - unaussprechlich
höhre ist's, wenn ein Verliebter
außerdem allmächt'ger Gott ist.

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Bald verlassen sie den Feldweg
und der Ähren Wogen schlagen
hinter ihrem Pfad zusammen.
Da mit einem Mal erreicht sie
eines Städters rauhes Fluchen.

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Hochgeschwungnen Knüttels steigt er
durch das Korn, der böse Wächter.

Aber lächelnd hält das zage
Mädchen fest der Gott, und spöttisch
schlägt mit einem Mohnblumstengel

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er das breite Maul des Störers,
dass er auf der Stelle einschläft,
offenen Augs, erhobenen Armes,
eine stumme Vogelscheuche.
Und als ob grad' hier das rechte

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Plätzchen sei, was längst sie suchten,
eint Weltkobold hier des Liebchens
rote Wang' dem roten Mohne.
Glotzend stiert das blöde Auge
des Gebannten - und es birst ihm

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fast vor Neid und Wut die Seele.


 

 

Lyrik | Zyklus: Der Weltkobold
Motto | Im Mund die Abendzigarette | Aller Ort' | Weltkobold ist verliebt | Maria, eines Tischlers Töchterlein | Durch die Gassen geht der Abend | Die Nacht ist tief geworden | Vertrau mir, Kind | In jagendem Wolkenboot | Weltkobold im Land der Bärenhäuter, Fassung I | Weltkobold im Land der Bärenhäuter, Fassung II | In seiner Hängematte liegt der Gott


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 428f.