Im Mund die Abendzigarette (o. T.)

Aus DCMA
Wechseln zu: Navigation, Suche
       

 

Im Mund die Abendzigarette,
den Geist von Schelmerein geneckt,
so lieg auf weichem Rasenbette
ich lang und wohlig hingestreckt.

5

Die Hände wühl ich in die Gräser
als sein sie feuchtes Mädchenhaar,
und störe, ein geschickter Bläser,
der Mücken blutverliebte Schar.

    Droben bunter Sternenhauf,

10

    ein bisschen Rauch dazwischen,
    Diebesevangelium klingt mir auf:
    "Im Trüben ist gut fischen".
    Im Trüben wie im Drüben,
    das war von alters eins.

15

    Auf! alte Kunst zu üben,
    mein Geist, im Reich des Scheins!

Und wie das nächste blaue Wölkchen
sich langsam über mich erhebt,
da seh ich, wie ein Puttenvölkchen

20

aus ihm hinauf zum Himmel schwebt
und von den goldnen Sternenknöpfen
ein Zipfelchen des Tuchs befreit,
das unsern armen Menschenköpfen
verdeckt den Sinn der Ewigkeit.

25

    Das ist ein jähes Blenden,
    das mir ins Auge bricht,
    Silberglöckchen spenden
    dazu ihr Klanggedicht.
    Und als sich Ohr gewöhnt dem Ton

30

    und Aug dem Farbenblitzen -:
    Schau ich auf reichem Narrenthron
    Weltkobold lachend sitzen.

Und wie ich die Gestalt erkenne,
da öffnet staunend sich mein Mund,

35

allein zugleich - Geist der Schwere -
entsinkt die Zigarette - und
verschwunden ist das frohe Glück,
stumm blauen die weiten Räume,
ich aber gehe ins Haus zurück,

40

und nun kommen die Träume, die Träume.

 

 

Lyrik | Zyklus: Der Weltkobold
Motto | Im Mund die Abendzigarette | Aller Ort' | Weltkobold ist verliebt | Maria, eines Tischlers Töchterlein | Durch die Gassen geht der Abend | Die Nacht ist tief geworden | Vertrau mir, Kind | In jagendem Wolkenboot | Weltkobold im Land der Bärenhäuter, Fassung I | Weltkobold im Land der Bärenhäuter, Fassung II | In seiner Hängematte liegt der Gott


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 422f.