In seiner Hängematte liegt der Gott (o. T.)

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In seiner Hängematte liegt der Gott.
Ei, wo die ist? Ihr seht sie jede Nacht.
Milchstraße hat man sie bei uns getauft,
aus Sternenschleiern ist sie fein geknüpft

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und hängt in einem Gabelast des Baumes,
von dem, als der Weltesche Yggdrasil,
schon unsern Urgroßvätern Kenntnis war.

Da liegt er nun und sinnt und komponiert
ins blaue All mit goldnen Notenpunkten

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am Fortgang seiner großen Symphonie
und streicht und ändert am Vorhandenen.
Erscheint ein neuer Ton ihm angebracht,
so wirft er mit zwei Fingern, höchst gewandt,
die goldne Kugel eines Notenkopfes

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gerade dorthin, wo sie tönen soll.
Denn jede dieser Noten tönt von selber,
sobald sie an dem Platz, der ihr bestimmt.
Doch fügt sich neu zur Weise ein Akkord,
entfliegt statt eines einsamen Gestirns

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ein ganzer Haufe seiner Hand — und hell
erglimmt ein neues Wandelsternsystem.
Wie wohl die Weise sein mag? ... fröhlich, traurig?
Sie ist von beidem keins und wieder beides.

 

 

Lyrik | Zyklus: Der Weltkobold
Motto | Im Mund die Abendzigarette | Aller Ort' | Weltkobold ist verliebt | Maria, eines Tischlers Töchterlein | Durch die Gassen geht der Abend | Die Nacht ist tief geworden | Vertrau mir, Kind | In jagendem Wolkenboot | Weltkobold im Land der Bärenhäuter, Fassung I | Weltkobold im Land der Bärenhäuter, Fassung II | In seiner Hängematte liegt der Gott


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 442