Jürgen Walter: Sprache und Spiel in Christian Morgensterns Galgenliedern. 1966

Aus DCMA
Wechseln zu: Navigation, Suche
 

 

Cover
S. 2
S. 4
Autor
Jürgen Walter
Titel
Sprache und Spiel in Christian Morgensterns Galgenliedern
aus der Reihe Symposion (Philosophische Schriftenreihe) Heft 21
Verlag Karl Alber, Freiburg/München, 1966
Paperback, 164 S.
Inhalt
A. Frage- und Aufgabenstellung
1. Methodischer Ansatz
2. Abgrenzung
3. Der Aufriß der Untersuchung
B. Die Grundsituation
I. Die Erfahrung der Sprache
1. Die andere Welt der Galgenlieder
a) Das Staunen als Welterfahrung
b) Das Gefüge der Dingwelt
c) Die Destruktion der gewohnten Welt
d) Der Einbruch des gewohnten Raumes
2. Welt und Sprache
a) Die Dinge und das menschliche Dasein
b) Das Ding-Wort
c) Die Sprache
d) Die Sprachkritik und ihre Grenzen
3. Die Entfaltung einer sprachlichen Eigenwelt
a) Die Inkongruenz von Ding- und Sprachraum
b) Die "andere Welt" als Eigenwelt der Sprache
c) Die "absolute" Sprache
II. Das Erlebnis des Spiels
1. Die Phantasie
2. Das Phänomen des Spiels
3. Das Spiel als unmittelbarer Ursprung der Galgenlieder
III. Das Sprachspiel
1. Das Spiel der Sprache
2. Die Entfaltung der Sprach-Spiel-Welt
C. Die Sprach-Spiel-Welt
I. Das Spiel der Sprachbedeutungen
1. Die Entfaltung des bildlichen Ausdrucks
2. Das Spiel der Homonyme
3. Umdeutung und Bedeutungswandel
4. "Etymologie" und falsch angesetzte Grammatik
5. Bedeutungslose Worte
II. Das Spiel der Sprachelemente
1. Das Reimspiel
2. Das Klangspiel
3. Sprachrhythmische Spiele
4. Wiederholung und Gleichklang. Sprachornament und Arabeske
III. Der Aufriß der einzelnen Sprach-Spiel-Welten
1. Die Galgenberg-Welt
2. Die Mondwelt
3. Gingganz und Palma Kunkel
4. Die Welt Palmströms
D. Versuch einer literaturhistorischen Standortbestimmung
I. Abgrenzung gegen die Zuordnung zu scheinbar gleichgerichteten Literaturströmungen
1. Die Literatur des Grotesken
2. Literarischer Manierismus
3. Die Literatur des Komischen und des Humors
II. Aufriß einer Tradition der Galgenlieder
1. Das Sprachspiel in vor- und unliterarischen Formen
a) Das Kinderlied
b) Eulenspiegel
c) Der Nonsense
2. Literarische Erscheinungen des Sprachspiels
a) Johann Fischart
b) Die Barocklyrik
c) Clemens Brentano
d) Der Dadaismus und Hans Arp
III. Ergebnisse
E. Schlußbetrachtung
Die Sprachwelt der Galgenlieder Christian Morgensterns und die Bildwelt Paul Klees
Literaturverzeichnis
Klappentext

Sprache und Spiel als Ursprung der
Poesie — die vorliegende Arbeit ist ein
Versuch, an Christian Morgensterns
"Galgenliedern" dichterische Sprache
in ihrem ursprünglichen Spielcharakter
exemplarisch zu beobachten. Ausgangspunkt
ist dabei Morgensterns
eigentümliche, hinter der Dichtung
der "Galgenlieder" stehende Erfahrung
der Sprache und des Spiels: von
der Grundsituation des weltbildenden
Sprachspieles her wird sichtbar gemacht,
wie sich in diesen Gedichten
aus der Sprache selbst und als Spiel
eine eigene poetische Welt konstituiert.
Dieser sich in einem ganz elementaren
Sinne und in der Spielstimmung der
Heiterkeit vollziehenden Entfaltung
einer autonomen Sprach-Spiel-Welt
geht die Arbeit im einzelnen nach und
stellt sie gleichzeitig in einen größeren
Traditionszusammenhang. Das weltbildende
Sprachspiel der "Galgenlieder"
erscheint so in einer wesensmäßigen
Verwandtschaft sowohl mit den
Anfängen der Poesie überhaupt als
auch mit der Erscheinung einer absoluten
Dichtung in der Moderne. Der
Traditionszusammenhang reicht dabei
von den vor- und unliterarischen Formen
des Kinderliedes, des Sprachwitzes
im Volksbuch vom Eulenspiegel
und in der Nonsense-Dichtung
über literarische Erscheinungen des
Sprachspieles bei Fischart, in der
Barocklyrik und in den Dichtungen
Brentanos bis in die jüngste Moderne,
zu Tendenzen der symbolistischen
und dadaistischen Lyrik wie auch der
modernen Malerei. Die Schlußbetrachtung
der Arbeit setzt die Sprachwelt
der "Galgenlieder" in eine Parallele
zu der auffallend ähnlich strukturierten
Bildwelt Paul Klees.

Die "Galgenlieder" Christian Morgensterns
stehen hier für eine wörtlich
und exemplarisch zu verstehende
Spiel-Art der Kunst überhaupt, in
ihrer Entstehungszeit von 1900—1914
zugleich auch als Beispiele zur Ausformung
der Moderne: es werden
Grundlagen, Bedingungen und Möglichkeiten
einer Kunst sichtbar, von
der Paul Klee gesagt hat, sie spiele
mit den letzten Dingen ein unwissend
Spiel und erreiche sie doch.

Download
http://christian-morgenstern.de/dcma/extra-dateien/JürgenWalterSpracheundSpiel.pdf (55 MB)