Nacht

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Der Holzwurm tickt, der Vorhang rauscht,
vom Nachtwind rund emporgebauscht,
die Lampe kocht und siedet...
Beglückter Sinn, den solche Nacht

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mit solchem Spiel noch gruseln macht,
mit solchem Spuk befriedet!

Der Holzwurm tickt... Er ticke nur,
er ist nicht mehr die Sorgenuhr
unsrer Vergänglichkeiten.

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Der Vorhang rauscht, emporgebläht . . .
Was scherzt er mit der Majestät
gestirnter Weltallsweiten ?

Die Lampe summt, die Lampe kocht...
Doch ach, was will ihr trüber Docht

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der innern Flamme künden,
der jeder Ort, dahin sie irrt,
zum Anfang neuen Wanderns wird,
bis zu den tiefsten Gründen.

Selbst du, o Nachtwind, wehst nicht mehr

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so aller süßen Schauer schwer,
wie einst dem Jüngling deuchte.
Gedenke, raunst du, an dein Los;
ach Sturm, das ward zu klein, zu groß,
als dass es deiner Seufzer brauchte.

 

 

Lyrik | Nachlese zu Einkehr
Mein Tetragramm | Wechselnd Wollen | Fisch und Wind | Oh welch Gefühl | Gewaltig segelst du mit mir | Noch jüngst gehasst | Wessen Blick aus nackten Bläuen | Das Kornfeld | An den Wald | Rings um uns | Einen moosbegrünten Ort | (Fragmentarisch) | Mattenwanderung | Regengeschwellt (o. T.) | Bergwasser um Mittag | Der Bergbach | Fels, auf dem Äonen | Durch einer Felsenkluft | Die Glocke | Das Tal | Sonntagmittag in Meran | Der Tor | Die verlassene Sennhütte | Ja, recht, Natur | Abendstrophe | Nachtlied | Nacht | Gruß und Gegengruß durch die Nacht | Nachtanbruch | Nächtliches Erwachen | Mensch und Blitz | Der Einsiedler | Einsiedelwunsch | Warum durchglüht mein Wesen | Frühlingsahnung | An eine Fächerpalme | An meinen Teekessel | Mein Ofen ist ein weißer Bär | Winternacht | Groß ist die Welt | Zyklus Die Wunderfrucht | In vinculis - libertas | Progressus dei | Meinungs-Moment | Der Name Mensch | Wir Menschen sind | Lied der Erde an den Menschen | Im Anfang war


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 2, S. 129