Schlaf, Kindlein, schlaf (o. T.)

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Schlaf, Kindlein, schlaf!
Es war einmal ein Schaf.
Das Schaf, das ward geschoren,
für wen? für einen Mohren.

5

Der Mohr, der brauchte Kleider
und ging zum nächsten Schneider
und brachte ihm die Wolle
und sagte ihm, er solle
ihm einen Rock draus machen.

10

Dem Schneider kam das Lachen;
er sagte zu dem Neger:
Mein lieber Schornsteinfeger,
aus bloßer Wolle machen
wir Schneider keine Sachen,

15

du mußt sie hier daneben
zuerst zum Weber geben,
und wenn sie der gewoben,
dann wohnt dort weiter droben
der Färber Hottentottich

20

mit einem großen Bottich,
und einem Schurz voll Klecksen,
und seine Frau kann hexen.
Drauf gab der Mohr die Wolle
dem Weber, namens Holle.

25

Der wob sie, aber gab sie
alsdann dem Färber Habsi
anstatt dem Hottentottich,
der just vor seinem Bottich
in seinem Schurzfell stand

30

und [drob] Ingrimm empfand
und seiner Frau erzählte,
die drauf zwei Äpfel schälte
und dann ein Mus draus machte
und das dem Weber brachte.

35

Der Weber war ein Toffel
und aß davon zehn Löffel
und gab den Rest dem Mohren!
Da tat mit den zwei Toren,
wie ja vorauszusehen,

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ganz Schreckliches geschehen.
Der Mohr ward durch den Zauber
zu einem weißen Tauber
und flog der Hex', o Jammer,
in ihre Speisekammer.

45

Der Weber aber hatte
die Form nun einer Ratte
und sprang dem Hottentottich
mitten in seinen Bottich.
So ward das Schäflein Liese,

50

weit draußen auf der Wiese,
für unsern armen Mohren,
fürwahr, umsonst geschoren.
Und Habsi Hans, der Färber,
war nun zuletzt ihr Erber,

55

und trug sie hin zu Huckepack,
dem Schneider, der ihm einen Frack
und eine Hose machte draus.
Und damit ist die Geschichte aus.

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 3, S. 496f.
Vertont von
Franz Tischhauser