Seltsam, wie dort im Spiegel (o. T.)

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Seltsam, wie dort im Spiegel die Lampe so mich schön dünkt!
Ein geisterhaftes Traumbild steht sie dort und leuchtet
und regt ein wunderlich Begehren nach sich auf.
Indessen hier ihr Urbild seine rohe Gestalt

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ganz ohne Scham dem Auge aufdrängt in den Raum,
dass ich mit einem Faustschlag es zertrümmern möchte.

So tritt dir überall das bittre Widerspiel
von Bild und Wirklichkeit entgegen - ach warum -
warum zertrümmerst du den Spiegel nicht, du Tor!

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Erkenne dich, bescheide dich bei dem, was dein.
Wer dankt's dem dunklen Steine, der im Unterbau
gewichtig sitzt, wenn er aus Sehnsucht nach der Sonne
zerbröckelt! Herzenswünsche sind ein ander Ding
als Schicksalspläne. Vorgezeichnet ist dein Riss.

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So wirst du zugehaun und so ins Werk verbaut.

Und deine Freiheit ist allein, dass du erkennst,
wie dir geschieht und dass du dein Geschick mit Würde
wie ein dir selbst entsprossenes der Menge zeigst.

 

 

Lyrik | Nachlese zu Melancholie
I: Abend im Park | Sternennacht | Musik | Nacht am Flusse | Junger, blasser, feiner Knabe | Von diesem Berg | Glockensturm im Tal | Lied an die Dämmerung | Ich trat ans Fenster | Seltsam, wie dort im Spiegel | Der kann von Liebe
II: Porto fino | Bist du, Herz, nicht trunken | Zum Abschied | An Eva P. | Vor einer Postkarte
III: Monte Testaccio | Auf den Annemonenwiesen der Villa Pamfili bei Rom | Piazza Barberini
Farnesina: Venus vor Zeus | Zug der Galatea
Von Rom zu scheiden | Pabstjubiläum 1903 | Dass es nur nicht | Frage ohne Antwort | Ich bin nicht öfter groß | Tret ich zu einer Pilgerschar | Ihr übermütigen Schellenknaben | Fiesolaner Ritornelle
IV: Ein Gedicht Walthers von der Vogelweide | Im Walther-Ton
V: Einer Jugendfreundin | Er, der uns zum Gipfel führt | Zu Nieblum will ich begraben sein | Die Heulboje | Dunkler Tag | Die Sterbende | Alles gut weil alles Gott | Sieh, des Herbstes Geisteshelle | Ich will vom Menschen nicht lassen | Genug oft
VI: Nicht noch einmal - | Leben ohne Antwort | Non veder, non sentir m'è gran ventura | Verantwortung | Durch manchen Herbst | Sei bereit | Dunkler Tropfe


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 2, S. 54