Sulamith Wülfing

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Cover Band VI

SW hat in zwei Büchern ihre Illustrationen zu CMs Gedichten herausgegeben:

Das zusammengetragene Material entstammt größtenteils der Webseite von Werner Steinbach. Es sei hier nur der Zusammenschau wegen wiedergegeben.

Werk bezüglich CM

Biographie und künstlerisches Schaffen

1901
11. Januar SW wird als Tochter des Postmeisters Carl August Wülfing und seiner Frau Hedwig geb. Schäfer, in Elberfeld geboren
Kindheit in einem abgelegenen, einsamen Haus am Wald
1905
11. September Geburt der Schwester Hedwig (Hede)
1906
Umzug der Familie in die Nähe der Stadtmitte
1907
Einschulung in die Mädchen-Mittelschule in Elberfeld
1909
Vater Wülfing wird zum Oberpostsekretär ernannt
1910 - 1917
Besuch des Lyzeums in Elberfeld
Sie gilt als zeichnerisches Wunderkind mit einem "Raumgefühl, das einfach nichts falsch machen kann"
1917 - 1919
29. Mai 1917 - 31. März 1919 Sulamith wird, gezwungenermaßen zur Telefonistin verpflichtet
1919 - 1922
Studium an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Elberfeld unter anderem bei Direktor Prof. Otto Schulze und Prof. Max Bernuth
9. Juli 1919 Verlobung mit ihrem Mitschüler Otto Schulze jun., dem Sohn des Kunstgewerbeschul-Direktors
1922
Abschluß des Kunststudiums mit ausgezeichneten Noten und Belobigung
Otto Schulze jun. stellt Sulamiths Schaffen in seiner Ausstellung mit aus
1923
Erste eigene Ausstellung ihrer Werke im Städtischen Museum Elberfeld, heutiges "Von der Heydt Museum"
Weitere erfolgreiche Ausstellungen im Barmer Museum sowie in der Barmer Ruhmeshalle
1924
Illustrationen: Vilma Mönckeberg-Kollmar - "Die Märchentruhe"
1925
Illustrationen: Friedrich Rückert - "Vom Büblein ..."
1926
Illustrationen: "(Autor unbekannt) - Das bucklige Männlein"
1928
November 'Ausstellung beim Barmer Kunstverein S zeichnet Portraits der Elberfelder und Barmer "Hautevolee"
1929
Reise nach Holland zum "Star camp" von Jiddu Krishnamurti
Gründung ihres eigenen Kunstverlages: "Selbstverlag Sulamith Wülfing" (später "Sulamith Wülfing- Verlag") zusammen mit Otto Schulze jun.
November Ausstellung beim Barmer Kunstverein
Bücher: ::Herausgabe ihres ersten Bildbandes mit 33 Abbildungen - "Dürers kleine Tochter"
Bei einem zweiten Besuch im "Star Camp" überreicht sie Jiddu Krishnamurti ein Exemplar ihres ersten Bildbandes
1930
Oktober Ausstellung beim Barmer Kunstverein
1931
Illustrationen zu Gedichten, z.B. Rilke
Bücher: ::"Sulamith Wülfing Band I: Farbige Abbildungen" - mit Gedichten von Rainer Maria Rilke; Sulamith Wülfing Band II: Farbige Abbildungen" - mit Gedichten von Rainer Maria Rilke
1932
Sie heiratet in aller Stille Otto Schulze jun. :Bücher: "Der Leuchter - Liebe zu Menschen"; "Liederband I"; "Liederband II"; "Otto Schulze" - Eine Art Monographie in Bildern;
Kartenserie: "Ein Weg"; ::"Hinter dem Vorhang"; "Glückwunschkarten"; "Blaue Stunde"
Bilder: "Madonna"
1933
Ihr Mann Otto Schulze unterrichtet hauptberuflich und sehr erfolgreich an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Elberfeld. Die Schule wird in "Meisterschule des Deutschen Handwerks" umbenannt
Ihr ehemaliger Kunstschulkamerad, Arno (Arnold) Breker, wird durch die Hitler-Welle, die auch Wuppertal erreicht, emporgetragen
4. Mai Ihr Sohn Karl wird geboren
5. Mai Das Kind verstirbt trotz ärztlicher Hilfe
Bücher: "Das Tor" - Die Geschichte eines Lebens; "Die Krone - Geschehen einer Erfüllung"; "Der Mond ist aufgegangen" - Teil 1 - Liedermappe
1934
Ab jetzt erscheinen ihre Jahreskalender
Kartenserie: "Der Weg"
Bücher: "Der Mond ist aufgegangen" - Teil 2 - Liedermappe; "Ein Weg" - 6 Karten in Kupfertiefdruck
1935
Sulamith und Otto kaufen eine alte Werkstatt, einen der berühmten bergischen "Kotten" - nebst Grundstück - am Hang über der Gelpe, und gestalten es zum Wohnhaus um
S ist zum zweiten mal schwanger
Kartenserie: "Wesen"
Bücher: "Die Truhe"; "Die Krone"; "Von der Seele"; "Der Mond ist aufgegangen" - Teil 1 - Liedermappe; "Es waren zwei Königskinder"
Illustrationen: "Christian Morgenstern"; "Von der Seele" zu "Die Heilige und ihr Narr", Roman der Langenburger Pfarrersfrau Agnes Günther
1936
5. Mai Der zweite Sohn, Karl Heinrich Otto, wird geboren Bücher: "Von Engeln"; "Stufen"
1937
Bücher: "Die Schwelle"; "Ein Buch vom Kind"
1938
Juli Das "Haus der deutschen Kunst" in München teilt Sulamith mit, daß die zur Ausstellung eingesandten Arbeiten nicht ausgestellt werden können
August Erster Urlaub der Familie auf der Insel Langenoog
22. September Otto Schulze ist zum Kriegsdienst eingezogen (bis 1945, mit einer kurzen Unterbrechung)
Bücher: Königin Maria von Rumänien - "Vom Wunder der Tränen"
Kartenserie: "Blüten"; "Wesen"; "Kristall"; "Vom Licht"; "Aus meinem Leben"; "Der Strahl"; "Das Fenster"; "Die Gabe"
1939
Kartenserie: "Zur Freude"; "Das Gefäß"; "Vom Leben"; "Der Traum"
1940
Ihr Vater verstirbt in Unkel am Rhein
Die amerikanische Geigerin Guila Bustabo besucht auf ihrer Tournee S. Hier entsteht das Bild "Wenn alle Lichter brennen", welches sie der Geigerin schenkt
Bücher: "Der Märchenschrein"
1941
Otto Schulze jun. ist auch gleichzeitig ihr Mentor
1943
Sie flieht vor den schweren Bombenangriffen mit Mutter und Kind nach Rheinhessen und weiter in das damals deutsche Elsaß
Ein großer Teil ihrer Werke übersteht unbeschadet die Zerstörung
1945
Kriegsende im Elsaß, S wird zu langwierigen Verhören in ein Lager abgeholt
September S erhält vom Internationalen Roten Kreuz die Nachricht, dass ihr Mann nicht gefunden worden sei
Angeblich war ihr Wohnhaus in Wuppertal bei Bombenangriffen zerstört worden
Dezember Sulamith ist wieder in Wuppertal, ihr Mann arbeitet, nach kurzer Kriegsgefangenschaft, bereits als kommissarischer Leiter der Kunstgewerbeschule, und das beschädigte Haus ist repariert
Sie nimmt ihre künstlerische Arbeit mit Unterstützung ihres Mannes und ehemaligen Studienkollegen an der Werkkunstschule wieder auf
1946
28. Januar Die Produktion und die Veröffentlichungen des Verlages werden von der Militärregierung erlaubt Bücher: "Das Fest"; "Der Ring"; "Zwergenvolk"; "Von Engeln"
1947
Bücher: "Die Stimme"
Kalender: "Kalender 1948"
1948
Sie arbeitet an dem Bildzyklus "Die Liebenden", einem großen amerikanischen Auftrag
Bildermappen (erscheinen in Basel): "Die kleine Märchentruhe"; "ohne Titel"; "Das Fest."
1949
Bilder-Mappe: "Rose und Feder"
1950
10. September Sulamiths Mutter verstirbt nach einem zweiten Schlaganfall
1951
Sie reist in die Schweiz, ein Mönch aus dem Elsaß übergibt S Original-Zeichnungen, die er für sie aufgehoben hatte
Eine neue Ausstellung in Schweden ist geplant
Ihre Schwester erkrankt an schwerem Herzleiden und zudem auch noch an Lungentuberkulose
1952
Sulamith beginnt den Zyklus "Wandlung"
1953
Illustrationen: Hans Christian Andersen - "Die kleine Meerjungfrau"
1955
Die Nachfrage nach dem neuen Kalender übertrifft alle Erwartungen
Der Dänische Konsul stellt in Basel/Schweiz sämtliche von Sulamith Wülfing gezeichneten "Andersen-Märchen"-Illustrationen aus
1956
Bilder-Mappe: "Jesus Christus" - 6 Blätter
1957
Bilder-Mappe: "Jesus Christus" - 12 Blätter
Illustrationen: "Christian Morgenstern"
1958
Erfolgreiche Ausstellung in einer Wuppertaler Galerie
1959
26. August Sie besteht die Fahrprüfung und kauft sich ein Auto
1960 - 1972
Sie unternimmt nun viele kurze Reisen mit ihrem Mann und/oder Sohn, natürlich mit dem Auto, zum Beispiel nach Venedig, Meran, Bozen, ins Elsaß, ins Allgäu, an den Bodensee und nach Helgoland
1960
"Kalender 1961"
1961
Sie stellt, in Wuppertal-Barmen "Haus der Jugend" erstmals der Öffentlichkeit ihre "Christus"-Serie vor Bücher: "Blaue Stunde" - 6 farbige Kunstkarten
"Kalender 1962"
1968
Sulamiths Schwester Hedwig stirbt an Lungenkrebs
1973
S besucht ihre Freunde in Bayern
Ab diesem Jahr erscheinen, in Holland, zahlreiche Poster, Kunstdrucke und Glückwunschkarten
Bilder-Mappe: "Den Müttern gewidmet"
1974
Buch: "Das Album" - Biographie ihrer Familie
1975
Sie erstellt Ilustrationen zu Gedichten von Christian Morgenstern
Bilder-Mappe: "Das Stundenglas"; "Schneesterne"; "Die Lichtblume"; "Vollendung"; "Das Gesicht"; "Jugend"
1976
3. November Ihr Mann Otto Schulze verstirbt
1977
Der "Sulamith Wülfing-Verlag" wird unter anderer Leitung neu gegründet als "Sulamith Wülfing BV", Amsterdam
1978
In Amsterdam erscheinen: Michael Folz - "Die phantastische Kunst der Sulamith Wülfing"
In den folgenden Jahren werden weitere, auch kleinere Bücher in Postkartengröße, herausgegeben: "Den Müttern gewidmet"; "Das Geheimnis des Lebens"; "Engel"; "Jungfrauen und Liebe"; "Blumen"; "Neckisch, gut und böse"; "Märchen"; "Advent"; "Kindheit"; "Ritter und Ritterlichkeit"; "Engel, groß und klein"
Von Davod Larkin, BV/Amsterdam, erscheint das Buch "Die phantastische Kunst der Sulamith Wülfing"
1980
Sulamith übersteht zwei Hüftoperationen, sie kann wieder gehen, wenn auch am Anfang mit Krücken oder Stock
Wuppertaler WDR-Studio, Rundfunk-Gespräch zwischen Hajo Jahn und Sulamith Wülfing
Bücher: "Neckisch Gut und Böse"; "Ritter und Ritterlichkeit"; "Kindheit"; "Märchen"; "Jungfrauen und Liebe"; "Advent"
1982
Ab diesem Jahr erscheinen in Bayern zahlreiche Schmuckteller
1985
Ihre letzte große Ausstellung ist wieder ein sehr großer Erfolg
Sulamith wird "in Würdigung ihres gesamten künstlerischen Schaffens" zum Ehrenmitglied der "Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreunde e.V. - Gruppe Wuppertal" ernannt
1986
S kann immer schlechter laufen, starke Schmerzen der Wirbelsäule, und fast garnichts mehr sehen
1988
In München erscheint: Illustrationen zu Gedichten - "Sanftes Leben wächst im Stillen"
1989
20. März SW verstirbt in Wuppertal. In Grafing erscheint: Ilustrationen zu E. Gertsch - "Die Engel an unserer Seite"
Ab diesem Jahr erscheinen laufend weitere Ausgaben in Grafing


Photos von SW

Über SW

Max Jungnickel - SW - Dürers kleine Tochter, 1929

Der Grübler und Bohrer, der Ideenmaler und Zeichner der Apokalypse: dieser Dürer hat keine Tochter gehabt. - Aber jener Dürer, der mit tiefer Innigkeit und Holdseligkeit den Grashalm malte, den Löwenzahn, das Veilchen und den Hasen: dieser Dürer ist der glückselige Vater von Sulamith Wülfing.

Jene Malerin, aus dem Bergischen Lande, setzt dort ein, wo die seelenvolle Bildersprache Dürers ins entzückend Spielerische abbiegt, dort, wo er sein Monogrammtäfelchen als lustiges Gasthausschild zwischen Balkengewirr und Blätterrauschen malt, wo er das Jesuskindlein durch ein Himmelsfenster schauen läßt und wo man den Staub auf dem Schlapphut des Joseph fühlt.

Die W ist aus Dürers warmem deutschem Blut. In ihren Pinsel ist die feine Goldasche eines frommen Märchens gefallen. Sie sieht mit ihren Augen ein Tierlein oder eine Pusteblume solange an, bis sie das Tier oder die Blume atmend, seelenvoll im Pinsel hängen hat wie in einem bunten Netz. Eigentlich sind alle ihre Bilder Glückwunschbilddien. Mit Erdenfreudigkeit und mit einem geisterfeinen Strich Himmelsglanz darin. Sie hat die Farben-wunder einer Seifenblase, den Reiherflug der Engel, die Spinnrockenbesinnlichkeit der Fabel, den holden Spuk einer Weibleinmutter, und die Madonnen, die in ihren Bildern sitzen, lausdien auf den Zeisig, der auf ihren Knien singt. -

S ist Träumerin, Zauberin und Horcherin. Das Leben hat ihre junge, frische Seele noch nicht ein einziges Mal geritzt. Ist so rein und glücklich wie der Tautropfen, der schimmernd an einem Buschwindröschen hängt. Sie ist Dürers liebliche, verspielte Tochter.

Der Mensch und seine Kunst

Dr. Richard Reiche

Kunst kommt gewiß von "Können".

Aber ein gut gekonntes Bild ist darum noch kein Kunstwerk. Wenn der Mensch im Könner nichts taugt, kann auch sein Werk nichts taugen.

Denn Mensch und Künstler sind eins. In jedem Pinselstrich, in der Wahl der Farbe, der Gestaltung der Form, im Zuge der Zeichnung, im ganzen Bau eines Gemäldes enthüllt sich zwangsläufig das menschliche Wesen des Malers, wie in der Handschrift das Wesen eines jeden Menschen.

Wie groß ein Könner als Mensch ist, so groß wird das Werk seiner Hände sein.

Wirken wird es freilich nur in dem, der Augen hat, zu sehen, und eine Seele, darin es sich spiegle.

Ihre Welt

Dr. Ludwig Lindner (Elberfeld)

Die Straße läuft in einer langen Zeile über den Berg, der sich in einem behäbigen Buckel aus der brodelnden Stadt am Hahnerberg aufschwingt. Wie auf einer Schnur sind die schwarzen Schieferhäuschen an der Straße aufgereiht. Und in einem von diesen schwarzen Häusern wohnt SW.

Wenn der Herbststurm an den grünen Läden rüttelt, wenn der honigfarbene Mond im Frühjahr über den braunen Wäldern der Gelpe aufgeht und drüben auf der anderen Seite das Burgholz im Nachtmeer versinkt, oder wenn am Rande der glashellen Himmelsglocke im Sommer die Bergstädte ringsum verblassen - immer senkt sich der Blick in Wunder und Bilder. Die Welt ist weit hier oben unter den lautlos gleitenden Wolken, und der grübelnde Sinn zieht mit diesen weißen Himmelsschwänen hinaus, schweifend und staunend in unendliche Fernen.

Ein Steinwurf weit vom SW-Haus, ein paar Kehren über Feld und stürzende Wiese - und da öffnet sich der Wald, der verwirrte Bauernwald und der klingende Dom des Buchenwaldes. Ein Bach bricht schäumend und tobend durch die Talrinne, ein Teich hält dem Himmel seinen Spiegel hin, und zerfallene Hämmer, von Kraut und Strauch überwuchert, bezeichnen die Stelle, wo vor Jahren noch schwarze Gestalten eine wilde Strophe in glühendes Eisen bosselten, während der brummende Bass des eilenden Mühlrades das Zeitmaß vorschrieb.

Das ist ihre Welt. Sie braucht nicht mehr, um ihren Blick zu erweitern, um ihren Phantasien und holdseligen Märchen Saft und Wirklichkeit zu geben, so daß sie sich aus dem traumhaften Schwebezustand in unser Bewußtsein hineinmeißeln.

Hier hat sie alles, woran sie hängt mit der ganzen Kraft ihrer Sinne, Blume und emsige Hummel, Gräslein und Häslein, Laut der bewegten Welt und summende Stille eines jungfrischen Sommertages, Not und Glück der Menschen und klingelndes Kinderlachen, das sie über alles liebt - Träumerin im Unbewußten, als die sie uns in ihren Blättern erscheint, und hellsichtig - hellhöriger Wirklichkeitsmensch, als der sie über diese Erde geht, bewußter und den Dingen näher als alle ihre Zeitgenossen, die mit ihren überwältigenden Ei findungen die letzten Rätsel der Welt gelöst haben wollen. Aber dazu fehlt ihnen jener sechste Sinn, den Sulamith, die Glückliche, besitzt.

Die Technik

Otto Schulze (Elberfeld)

Da sind Blüten, die wie Steine leuchten, und Steine, die das Licht der Sterne und den Glanz der Augen haben. Zarte Gräser, die im Wind gehen und Schmetterlinge, die durch das Blau des Tages fliegen.

Bäume sind lebendig geworden, strecken drohend ihre Aeste zum Himmel oder biegen sich schützend um eine Madonna. In den Zweigen nistet die Eule, singt die Drossel, turnt das Eichkätzchen und hockt der Geist des Baumes, wohlwollend oder die böse zusammengekniffenen Augen giftig auf einen Kobold gerichtet, der ihm zu nahe gerückt ist. Alle Feld-, Wald- und Wiesengeistchen erscheinen, erzählen ihre Freuden und Sorgen, von Kindstaufe und Tod, guten und schlechten Zeiten - ganz wie bei uns.

Und wieder rauschende Stoffe, schwere goldgestickte Brokate, flatternde Schleier und starrende Seide, fließende Gewebe, wie Silberschaum um zarte Glieder liegend - und der Schmuck glänzt.

Durch das zarte Filigran eines gothischen Rundfensters goldet das Licht der Abendsonne, blutet der Estrich und trägt die Bilder der Glasfenster, werden Senkrechte und Wagerechte zum lebendigen Gesetz - ist Stein Geist geworden.

Doch dies alles sind nur die Dinge um das Wesentliche - den Menschen.

Geschlossene Augen, die weinen. Lippen, die gut sind und solche, davon man Gift trinkt. Haare, die im Winde wehen, um Gesichter die beim Kusse leuchten.

Mutterleib trägt das Werdende, zarte Finger halten das Geborene, schützende Arme bergen das Symbol: Kinder, die das Kommende sind, über welche man nicht schreiben kann, die in uns dringen, wenn wir die zarten Blätter betrachten, in uns lebendig werden und bleiben, das Zeichen der Zeit tragen und Träger der zukünftigen Dinge sind.

Die Neuromantikerin

Willibert Ritter

Ich weiß nicht, ob ich mit dieser Katalogisierung ihren Beifall finde. Aber es hat sich mir bei meinem Erleben ihrer Schöpfungen das Märchenhafte und Zaubersame ihrer Kunst so unmittelbar aufgedrängt, daß ich ein treffenderes, d. h. bezeichnenderes Wort nicht habe.

Verhältnismäßig spät lernte ich sie kennen. Ihre Anfänge und ersten Ernten sind mir unbekannt geblieben. Aber ihre Entwicklung in den letzten 5 bis 6 Jahren übersehe ich. Eine Entwicklung, die dem flüchtigen Beobachter gar nicht als solche erscheint, weil ihr jedes Tempo, jede aufwärts, abwärts oder in Intervallen verlaufende Linie fehlt. "Sie bleibt sich immer gleich", sagt die Masse und wendet sich von der vermeintlichen Monotonie interessanteren Experimenten und erregenden Sensationen zu. Doch ich möchte sagen: "Sie bleibt sich immer treu".

SWs bunte Märchenfeder begann, als die Sturmflut des Expressionismus Wenige in einen göttlichen Sonnenaufgang emporriß und Viele jämmerlich stranden ließ. Seitdem hat die bildende Kunst auf wechselvoller Fahrt den Kontinent "Neue Sachlichkeit" angesteuert, dessen Hafen sie eine neue revolutionäre oder evolutionäre Brise vielleicht schon im nächsten Jahrfünft wieder entführt, SW fährt, heute wie damals, gen Thule-Land. Die Stürme der Anderen hetzen sie nicht. Ihre Segel bläht ein eigener Wind. Ihre Dünung hat eigenen Rhythmus. Vielleicht ist sie schon am Ziel und die Fahrt in die Ferne ist nur blauer, sehnsüchtiger Traum.

Nicht also in äußeren Umständen kennzeichnet sich ihre Entwicklung, im Wechsel des Stils und des Milieus - die Entwicklung geht nach innen. Diese nur dem Feinsichtigen spürbare Verinnerlichung ist das Geheimnis ihrer Kunst. Und wenn ihr künstlerisches Ethos zuweilen aus den Märchengärten der deutschen Seele in die Lotosteiche und Buddhatempel des Orients fliegt, dann ist das kein Milieuwechsel, sondern ein glückhaftes Erkennen ihres Reiches, ihrer weltenweiten, himmelnahen romantischen Heimat.

Neuromantik! Es ist weder die Welt von heute, noch die von gestern, noch die von morgen. Ihre Gestalten sind zu zart, um in der Wirklichkeit leben zu können. Ein Hammerschlag, ein Sirenenschrei, ein Jazzton würde sie töten, zerstören für immer. Aber ein Köstliches ist in Sulamith Wülfings hervorgezaubertem Wesen das zutiefst Verschüttete des Menschen und des Lebens, die Seele. Daß es im Hetzgetöse der Großstadt, daß es in der manierverstrickten modernen Kunstjugend noch so etwas gibt, das muß froh machen. Wie einst Ludwig Richter den technischen Dissonanzen seiner Zeit seine bäuerlichen Kinder- und Familienidylle entgegensetzte, so zeichnet SW in einer Epoche des krassesten Materialismus ihre kleinen bunten Märchen. Das soll natürlich kein Vergleich sein, denn die Begriffe "Richter" und "W" selbstgefällige fromme Beschaulichkeit und romantische Sehnsucht zur Wunderwelt Kind - Liebe - Leben - lassen sich nicht vergleichen.

Der jungen, hochbegabten Elberfelder Zeichnerin, der liebenswürdigen Meisterin des Stifts und der Feder meine besten Wünsche auf den Weg! Möge sie immer sein, was sie war und ist, und geben, was sie gab und gibt: feiertägliche, herztiefe Freude allen für Schönheit und Ethos Kämpfenden, helles Entzücken der Kinder, köstliche Einkehrstunde im unfrohen, seelenlosen Tag.

Mutter und Kind

Hermann Joseph Schmitt (Berlin)

Durch ihre Kunst singt SW der Mutter ein "Hohes Lied". - Ihr ist Muttertum der lebendige Schrein, in dem der Lebensspender alles Leben bewahrt und durch den er es in die Welt schickt. So ist ihr Muttersein höchste Würde, tiefste seelische Feinheit. - Zur Mutter gehört das Kind. Aber leibliche Mutterschaft ist nicht das letzte. Die beiden Seelen gehören zusammen, müssen auf einander abgestimmt sein. Muttertum birgt für die Künstlerin zwei große Werte, einen körperlichen und einen seelischen.

Das Thema Mutter und Kind beschäftigt sie von den ersten Anfängen ihres künstlerischen Schaffens an. Ihre Bilder hat sie geschöpft aus dem Born des deutschen Märchens, aus der harten Wirklichkeit des Lebens, aus der Schau in die Welt des Uebersinnlichen. Niemals verfällt sie in eine grob-realistische Darstellung, immer sieht sie die geistige Seite des Muttertums, des Kindseins. Hier liegt das eigenartige ihrer Darstellung, das veredelnde. - Nur wer selbst, gestützt durch ein geistig fundiertes Muttertum, so durchs Leben gehen durfte, kann diese Sprache in der künstlerischen Darstellung sprechen.

Schon die Kleinen, die sie beim Spiel mit der Puppe malt, verraten eine Anlage für das sorgende Muttertum.

Und das Jüngferlein, das den Rhythmus wechselnden Gefühlslebens spürt, ahnt mit weit aufgeschlossener Seele etwas von der Fülle mütterlichen Schenkens, die keimhaft in ihm liegt. Durch diese Mädchengestalten geht ein gesundes Sehn-süchteln nach letzter Erfüllung, nach Ausgleich und Harmonie. - In den Gesichtszügen, wie in der Körperlichkeit liegt eine Hoffnung auf sinnvolle Gestaltung ihres Lebens. - Die feine Technik befähigt die Künstlerin hierbei zu mädchenhaft-zarter Ausdrucksgestaltung, die niemals weichlich, immer jedoch dem überaus schwierigen Thema angepaßt wird. - Das ist Erfüllung einer Sendung in die Zeit hinein, die Seelen zu weiten für die Werte des geistigen Muttertums, dem das Körperliche nicht letztes ist.

Kam dann die Erfüllung, wurde die Sehnsucht Wirklichkeit an der Seite eines Lebenskameraden, dann trägt die Seele der jungen Mutter ein besonderes Geschmeide. Muttertum ist höchste frauliche Qualität, ist Werterhöhung des Seins überhaupt. - Und wenn die werdende Mutter beim Frührot des Morgens oder beim Dämmerschein ihres Glückes froh ist, dann geht von ihr ein Leuchten aus, ein feines Strahlen zukunftsfrohen Hoffens. - - Und hat sie dem jungen Wesen zum ersten Male ihre Mutterliebe gezeigt, dann ist die große Einheit da zwischen Mutter und Kind. Dann ist der große Traum des Lebens Wirklichkeit, dann ist das Leben doppelt lebenswert, wenn auch die Nebelschleier der Sorge - Zukunft des Kindes - ihr zartes Gesicht beschatten. Diese große Harmonie stört nichts, nicht einmal die Eigengesetzlichkeit der werdenden Persönlichkeit, die eines Tages ihren eigenen Weg von der Mutter weg - gehen muß.

So erschafft die Künstlerin ein "Hohes Lied" von der Mutter und dem Kinde. Diese Zweieinheit erkennt sie als Wert für die Menschheit. Und sie redet dafür in einer eindringlichen Sprache an alle - - - die Unzufriedenen, die Lebenshungrigen und die Frohen! - Sie spricht zu allen ...

The language

Dr. Hermann Schauhoff

A contemplation of the works of SW might, in a material sense, make one think of the art of the Brothers Schiestl or of the singular Munich miniature painter Karl Stratmann, were it not that the elegance of draftsmanship of these leaves in smallest form sets them apart from the popular style of these South-Germans.

And on close consideration it is the time-removed kingdom of the "blue flower", the high Gothic mood perhaps of those English pre-Raphaelites about 1830, over which shines the smile of Guenever and the love of Beatrice. A world of fable in which the seasons and the winds speak, where slender knightly beings grow and love like flowers, like the roses and lilies in their noble hands. Where golden locks flutter in the breeze, where clear eyes gaze at us. And where again and again the wonder of childhood is revealed and the maternal becomes Madonna-like in these pictures and leaves.

Delicate leaves, often lightly water-coloured, of romantic but not literary subjects: the Dream, the Beloved, the Page, the Little Soul, the Veil, the Will-o'-the-Wisp, the Rose, the Human Heart.

In England the severe beauty has inspired those masters round Burne Jones and Rosetti until to-day. It has impressed itself on the mind of the nation not less strongly than the dignified Gothic of Oxford and Canterbury, whereas nothing similar appears in Germany. So much the more it gladdens one to find a kindred note in the work of this young woman artist, which sounds clearly and a little lost in our ears as if it were out of a faraway time of childhood.

Ninon de lenclos

Charles Brun

Il faut avoir vu les ravissantes gravures sur argent de SW - son nom n'est-il pas à lui seul une mélodie - pour "Ninon de Lenclos" d'Ernst Hardt, pour ces tragédies tendrement tristes des temps galants d'un érotisme cultivé qui nous transportent dans le milieu des mouches, des perruques et des crinolines, au temps où un ornement gracieux cachait tout ce qui pouvait choquer l'oeil ou blesser les sentiments.

Et c'est alors que passent dans ces pages les formes bizarres des coiffures hautement étagées, les amples courbes des robes exagérément bombées à la taille, que trépignent les petits talons de minuscules pantoufles incrustées de pierres précieuses, gravures exquises, encadrées et amenées par les lignes charmantes d'un style amoureux.

Les détails ravissants, la gentille analyse de l'atmosphère de cette époque témoignent d'une étude intense et du juste saisissement de ce fluide persistant qui rayonne encore maintenant de ces petits châtelets de plaisance, de ces discrets pavillons d'amour ainsi que des tableaux et gravures d'un Watteau, d'un Boucher, d'un Fragonard, des petits billets doux et des tendres poèmes d'une sphère ultrasensible et décadente.

Tout ceci, dessiné comme il convient-à traits tendres, ressort amplement sur la blanche candeur du papier, le tout senti d'instinct et représenté ensuite par la main sûre d'une artiste inspirée.

Schlusswort

Karl Heinrich Otto (Köln)

Die voraufgegangene Reihe von Auslegungen über Persönlichkeit und Werk SWs in künstlerischer und gefühlsmäßiger Zerlegung ist gleichsam eine feinsinnige Zusammenfassung des Widerhalls, den ihre Arbeit in den Reihen derer gefunden, die das Seelische und Gefühlte im Geistigen immer noch als das kostbarste Gut der Menschen ansehen.

In freier, ungehemmter Entwicklung, unbeirrt von allen Zeitströmungen, hat sie sich ihrer Ausbildung hingeben können, lernend und wieder lernend: Vor den Dingen, vor der Natur, sich hineinsehend, einfühlend mit jener Gründlichkeit, die großen deutschen Malern und Zeichnern von jeher eigen war, erfüllt von den Worten Dürers: "Denn wahrhaftig steckt die Kunst in der Natur, wer sie heraus kann reißen, der hat sie".

Ausgerüstet mit allen technischen Möglichkeiten der Darstellung schuf sie sich ihre geistige, von Blumengärten umzirkelte, vom Gestirnhimmel durchglühte und beseelte Welt mit den lebensfähig denkbaten Wesen, indem sie ihr eigenes Leben umsetzt und wiedererstehen läßt.

Möge diese Herausgabe eines kleinen Ausschnittes der reichen Ernte ihr aus dem Kreis derer, die an den natürlichen Quellen des Lebens trinken, neue Freunde schaffen.

Artikel aus Wuppertaler Rundschau 1986

Menschen in Wuppertal

Das Wunderkind hütet mit 85 noch seine Geheimnisse

SW: Künstlerin voller Ideen und Detailkenntnisse

Von unserer Mitarbeiterin Christiane Müller

Mit sechzehn galt sie als Wunderkind, das beim Zeichnen ein "absolutes Raumgefühl" erkennen ließ und "einfach nichts falsch machen konnte". Mit 22 hatte sie im Elberfelder Museum ihre erste Ausstellung und mit 29 den eigenen Verlag, der ihre illustrierten Bücher und die Kunstdruckmappen, ihre Kalender und Bildpostkarten bis heute vertreibt und ihren Namen in aller Welt berühmt machte. SW, am 11. Januar 85 geworden, ist eine Art Wunderkind geblieben: noch immer voller Ideen und Bildgedanken, die sie heute freilich nicht mehr ausführen kann, für die sie "keine Form" mehr findet.

"Auch früher", sagt sie, "hatten diese Ideen keine Form. Die ergab sich erst beim Zeichnen, aus den Anfangslinien eines Kopfes, einer Blume. Ich habe mir nie überlegt, wie das fertige Bild aussehen sollte, es kam von innen." Sechs, acht Blätter konnten so "auf ein Mal" entstehen - danach "ging der Vorhang wieder zu".

Hinter diesen Vorhang lässt sie ungern blicken, ließ sich nie bei der Arbeit zusehen und scheute sich anfangs auch, ihre Bilder "Von Kindern, Engeln und Blüten", "Vom Wunder der Tränen" und "Von der Seele" an die Öffentlichkeit zu bringen.

Dabei hatte sie, die als Kind eines Elberfelder Theosophen zur Welt kam, ihre Kunst von Grund auf gelernt, hatte vier Jahre lang an der Kunstgewerbeschule Anatomie und Naturstudium gründlich genug betrieben, um in den Zeichnungen "Hände und Füße selber bewegen" zu können, um nicht irgendwelche Blumen, sondern Iris, Rittersporn und Fingerhut höchst präzis zu beschreiben. Das gilt auch für Glas, Geschmeide und Gefieder, für Stoffe und Stickerei: hier wie dort ist es die eminente Detailgenauigkeit, die zu Sulamith Wülfings Erfolgsgeheimnis gehört und ihrer poetisch-phantastischen Welt eine Spur von Wirklichkeit verschafft.

Nicht wirklich, nicht bodenständig genug erschien sie zwei "höflichen Herren", die eines Tages in ihrem Haus am Hahnerberg auftauchten. Hätte sie damals den Wünschen des NS-Regimes entsprochen, ihre Bücher wären nicht - wie nach 1933 in Königsberg, Leipzig und Berlin geschehen - verbrannt worden. Hundertfünfzig Originale fallen später dem Bombenkrieg zum Opfer. Nach dem Krieg aber führt SW zusammen mit ihrem Mann, dem Wuppertaler Maler und Werkkunstschuldozenten Otto Schulze, den Verlag weiter und überträgt 1976 die Rechte einer Amsterdamer Edition. Dort werden seither auch die feinsten ihrer Farbzeichnungen zu Postern vergrößert - nicht vergröbert, wie sie selbst nach anfänglicher Skepsis feststellte.

Die Poster sind es auch, die ihre Kunst in eine sehr zeitgemäße Form übersetzen und damit zunehmend die Jüngeren faszinieren. Und zu Fragen veranlassen, die sie nicht beantworten will: "Lassen Sie dem Künstler seine Geheimnisse", schrieb sie unter eine biographische Notiz, "nehmen Sie ein Kunstwerk so, wie es sich Ihnen gibt! Es gehört Ihnen, ganz gleich, wie Sie es deuten."

Artikel aus Junge Freiheit zum 10jährigen Todestag

von Magdalena S. Gmehling

Erinnerung: Vor zehn Jahren starb SW 26.03.1999

Malerin der Zwischenwelten

"Lassen Sie dem Künstler seine Geheimnisse. Nehmen sie sein Kunstwerk so, wie es Ihnen sich gibt. "Mit dieser Bitte um Diskretion versuchte SW 1985 auf ihrer letzten großen Ausstellung ihr Leben und ihr Werk abzuschirmen, ihre Privatsphäre zu schützen. Vor zehn Jahren, am 20. März 1989, starb sie im Alter von 88 Jahren in Wuppertal.

Die Nationalsozialisten betrachteten ihre Bilder als "entartete Kunst" und verbrannten sie öffentlich in Königsberg. Mancher deutsche Soldat trug im Krieg ihre Postkarten wie einen Talisman im Tornister. Man hängte die Engel der SW Neugeborenen über die Wiege und gab sie Verstorbenen mit in den Sarg. Die Nachfrage der Besatzungsmacht nach ihren Bildern ließ den einschlägigen Handel sprunghaft ansteigen. Die feinsinnigen Gebilde wurden um den ganzen Erdball verbreitet. Es gibt Mappen, Kalender, Märchenbücher von Sulamith Wülfing und Schmuckteller- Reproduktionen auf teurem Porzellan. Ihren ersten Engel zeichnete die Künstlerin im Alter von vier Jahren. Als Malerin des Feinstofflichen und als Intuitive, der es gegeben war, die Gesetze des Übernatürlichen verhalten auszudrücken, darf man ihr eine besondere Sensibilität für die Beziehung zwischen dem Schönen und Guten nachrühmen. Das sichere Empfinden der wesenhaften Verbindung von Form und geistiger Schau kennzeichnete das Schaffen der Künstlerin lebenslang. Die bedrängenden, detailgenauen und aussagekräftigen Bilder einer magisch schwebenden Welt nahmen unter ihren begnadeten Händen Gestalt an.

SW wurde 1901 in Wuppertal-Elberfeld geboren. Nach einer behüteten Kindheit und Jugend studierte sie an der örtlichen Handwerker-und Kunstgewerbeschule. Der Sohn des Direktors, Otto Schulze, wurde nicht nur ihr Ehemann, sondern gleichzeitig ihr Manager, Verlagsleiter, ja die ordnende und bestimmende Triebkraft ihres Lebens. 1943 floh sie vor den schweren Bombenangriffen mit Mutter und Kind nach Rheinhessen und weiter ins Elsaß. Wie durch ein Wunder entging ein großer Teil ihres Werkes der Zerstörung. Nach 1945 nahm SW mit ihrem Mann, Otto Schulze, wieder die künstlerische und verlegerische Arbeit auf.

Obwohl die Künstlerin ein streng abgeschiedenes, ja fast klausurhaft einsiedlerisches Leben führte, gab es Kontakte zu zeitgenössischen Schriftstellern und Malern. Zu nennen sind der nach 1945 als vermißt geltende Schriftsteller Max Jungnickel, die Langenburger Pfarrfrau Agnes Günther, deren Roman "Die Heilige und ihr Narr" SW illustrierte. Ferner der Holzschneider Ernst von Dombrowski, dessen Werke sie sehr bewunderte, die Malerin Hanna Nagel und das Multitalent Ruth Schaumann. Befreundet war SW mit den Familien Fidus und Vogeler. Auch hatte sie Verbindungen zu den Kreisen um Krishnamurti. In den fünfziger Jahren inspirierten sie der Wuppertaler Bühnenbildner Heinrich Wendel und der Dirigent Hartmut Klug. Gelegentlich kam es vor, daß ein hoher Abgesandter des Vatikan unvermittelt um eine lange Unterredung mit ihr nachsuchte.

SW stand der modernen Kunst nach eigener Aussage "ablehnend wie ein Klotz" gegenüber. Sie war der Ansicht, es sei eine Sünde, den Menschen "Steine statt Brot" zu reichen. Ihre besondere Fähigkeit, nicht nur das Charakteristische menschlicher Gesichter, sondern auch das Wesen der abgebildeten Person zu erspüren und festzuhalten, ließ keinen Raum für experimentelle Spielereien, geschweige denn für die Mißachtung ästhetischer Gesetze. Immer wieder betonte sie, nur das gelten zu lassen, "was aus der Liebe" käme. Oft wurde sie als religiöse Künstlerin bezeichnet. Dies mag insofern gelten, als ihre Bilder jenseits aller Konfessionen angesiedelt sind. Der ergreifende Christuszyklus, den sie lange Zeit geheim hielt, belegt ihre eigene Aussage, daß an der historischen Person des Jesus von Nazareth kein Künstler vorbei sehen kann.

Ihr frühes Schaffen ist allerdings weit mehr in den phantastischen Zwischenwelten beheimatet. Gnomen, Geister, Hexen, Nymphen, Elfen waren ihr bildreiche Wirklichkeit, die sie in ihren filigranhaften, oft wie hingehaucht erscheinenden Blättern enthüllte. Mit zunehmendem Alter wurden ihre Bilder ernster und todesbezogener. Die Eleganz und die visionäre Kraft ihrer Engeldarstellungen sind unbestritten. Sie selbst hatte oft das Gefühl als flögen selige Scharen mit weitem großen Flügelschlag in alle Welt. Das Schöne war für sie ein geistiges Kraftfeld, welches seine Berechtigung in sich trug.

Ihr Credo faßte SW in den bemerkenswerten Sätzen zusammen: "Woran ich fest glaube, ist aber die Unsterblichkeit der Seele - die Individualität, die uralt ist und noch sehr viel vor sich hat an Entfaltung, Weiterentwicklung. Wie sich das aber alles jenseits unseres Wissens abspielt und abgespielt hat, das bleibt - jedenfalls jetzt noch - Geheimnis."

Es verwundert keineswegs, daß sich heute auch esoterisch ausgerichtete Strömungen um eine Neubelebung des Werkes von SW bemühen.