Walter Leistikow

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   S. 129

Sa-band6 0129.jpg

...

51. Walter Leistikow

gewährt durch seine Ausstellung von Aquarellen bei Amsler und

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Ruthardt und von Ölbildern bei Schulte einen interessanten
Überblick über sein Schaffen. Merkwürdig! da wo er sich rein auf
die Wiedergabe eines groß aufgefaßten und herausgesehenen
Stückes lebendiger Natur beschränkt, wie in seinen Aquarellen,
ist er von einer Größe, die das Herz weit und tausend stille und

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seltsame Gedanken rege macht. Und wo er, wie in manchem der
Ölbilder, der tiefen Symbolik des Naturlebens durch gedankliche
Symbole nachhelfen zu müssen glaubt, läßt er uns viel kälter, obschon
er vielleicht selbst den letzteren Stil seinen höheren nennt.
Welch ein unsagbarer Zauber webt in jenen Grunewaldinterieurs,

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liegt über der Fahrt jener stillen roten Kähne, die an irgendeiner
Havelinsel vorüberziehen! Oder wir sehen auf einen
Waldweiher hinab. Da treibt unten ein Mensch in einem Kahn,
ganz klein nur und doch dicht am Ufer: Und so kommt es, daß wir
meinen, wir stünden irgendwo hoch auf dem Fels und ganz weit

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da drunten grünte und geheimniste der einsame Teich. Oder wir
sind im dunkelsten Wald, und an mächtigen Baumriesen labt sich
das Auge zugleich mit dem Geist.
Es ist eigentümlich, warum mancher moderne Maler gerade das
Ornamentale in der Natur so stark sieht. Das Ornament ist eine

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tote, erstarrte Schablone, in der Natur aber ist alles ewig wechselnd
und lebendig. In der Natur ruhen Tausende und Abertausende
von Kombinationen, die des Künstlers Phantasie mit persönlichem
Leben erfüllen und als grandiose Symbolik verwerten
kann. Der Klingersche Himmel bei der "Evokation" ist ein Beispiel

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dafür. Warum hat noch niemand im Sinne des "Pierrot Lunaire"
gemalt? Glaubt man mit dem Pinsel nicht malen zu können,
was etwa folgende Zeilen in Worten malen? -:

   S. 130

Sa-band6 0130.jpg

1

        Eine blasse Wäscherin
        Wäscht zur Nachtzeit bleiche Tücher;
        Nackte, silberweiße Arme
        Streckt sie nieder in die Flut.

 

 

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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 6, S. 129f.


Wikipedia:Walter Leistikow