Wilfried Hiller, Morgenstern-Liederbuch

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Titel
Wilfried Hiller - Christian Morgenstern - Kinderliederbuch
Verlag
Musikverlag Max Hieber, München, 1996
Ausführende
Chor und Instrumentalisten des Pestalozzi-Gymnasiums München unter der Leitung von Rita Weindauer
Inhalt
  1. Kanon
  2. Lied der Sonne
  3. Spruch vor Tisch
  4. Herr Winter geh hinter
  5. Die Weidenkätzchen
  6. Der Fuchs und die Hühner
  7. Hasen-Landler
  8. Herr Löffel und Frau Gabel
  9. Der Specht
  10. Von dem großen Elefanten
  11. Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst
  12. Windgespräch
  13. Bim, Bam, Bum
  14. Erstes Traumliedchen
  15. Die beiden Esel
  16. Der Apfelschimmel
  17. Das ästhetische Wiesel
  18. Sieh nicht, was andre tun
  19. Goldfuchs, Schürz und Flasche
  20. Liebeslied des Raben Ralph
  21. Vom Trinken
  22. Das kürzeste Lied der Welt
  23. Waldmärchen
  24. Die drei Spatzen
  25. Das Weihnachtsbäumlein
  26. Seufzer-Walzer
  27. Zweites Traumliedchen
  28. Nächtliche Schlittenfahrt
  29. Winternacht
Einleger
Zum "Kinderliederbuch": "Kinder, Tiere, Pflanzen, da liegt die Welt noch im Ganzen" - mit diesem Spruch, in dem sich Christian Morgensterns Sicht der Dinge epigrammatisch zu bündeln scheint, eröffnet Wilfried Hiller sein Kinderliederbuch, den Beschluss macht die poetische Winternacht mit ihrem Glockenzauber. Dazwischen spannt sich ein ganzer Jahreslauf, vom ruhig dahinfließenden Lied der Sonne über die samtigen Weidenkätzchen des Frühjahrs bis zu den im Schnee frierenden Spatzen. Dazwischen reichlich Raum auch für Märchen, Spruchweisheiten und kleine "Tragödien" wie das dreiaktige Ehedrama zwischen Herrn Löffel und Frau Gabel.
Versammelt ist hier ein Mikrokosmos menschlichen Erlebens, zarte Verse von großer lyrischer Schönheit stehen neben Nonsens-Poesie, übermütigen Wortspielereien oder närrisch maskiertem Tiefsinn. "Humor ist äußerste Freiheit des Geistes" steht auf einem Blatt aus Morgensterns Nachlass, und davon zeugt diese Gedichtauswahl von Wilfried Hiller aus verschiedenen Schaffensperioden allemal. Der Dichter und Aphoristiker, Humorist und Parodist Morgenstern lebte zwischen zwei Kriegen. 1871 wurde er in eine Münchner Malerfamilie hineingeboren, 1914 schon starb er nach langem Lungenleiden in Meran. Kein langes Leben für einen, der umtriebig auf ständiger Wanderschaft war, der Strindberg, Ibsen und Hamsun übersetzte, Skandinavien, Italien und die Schweiz bereiste und dazwischen immer wieder nach Berlin zurückkehrte, wo er für verschiedene Zeitungen arbeitete, und der schließlich, gemeinsam mit seiner Frau Margareta, zum Freund und Anhänger von Rudolf Steiners Anthroposophie wurde.
Der Münchner Altmeister philosophischen Unsinns Morgenstern und der 1941 im schwäbischen Weißenhorn geborene Komponist Wilfried Hiller - gefunden haben sich hier zwei Seelen, nicht unbedingt verwandt, und doch ähnlich: Wo Morgenstern sich darin gefällt, "ein Wort durch den Gestus zu finden", sich in der Zweckfreiheit des Spiels und in skurrilen Gedichten übt, deren Worte sich scheinbar selbst ihres Sinns entledigen, da antwortet der Komponist mit ebenso hintergründig pointierten Melodien oder schelmisch szenischen Liedern zum Mitmachen. Nie drängt sich die Musik in den Vordergrund, stets überhöht sie Witz und Geist der Lyrik auf subtile, wundersame Weise, ist klar und reduziert: Die Weidenkätzchen allein mit zarter Harfenbegleitung, im kleinen Theaterstück "Der Fuchs und die Hühner" umschmeichelt Flötenspiel das Gegacker des Federviehs, der Seufzer-Walzer und dieTraumliedchen bestechen durch poetische Klavierbegleitung und die Sage vom Weihnachtsbäumlein klingt wie eine uralte Weise. Immer wieder dann geben sich die Lieder vorwitzigfrech (Die drei Spatzen) oder kommen gar lärmend daher. In "Herr Winter geh hinter" soll der Winter mit allerlei Küchengerät vertrieben werden. Dezenter gehalten ist das Windgespräch, wo tonlos geblasene Flaschen für raunende Atmosphäre sorgen.
Diese Beispiele fordern zum Mitmachen und Nachgestalten heraus - wie sagte doch Morgenstern: :"Schließlich und endlich: was vermisse ich unter meinen Mitmenschen am meisten: Wirklich, wirkliche Phantasie."
Die Zielgruppe dieser Lieder ist nicht eindeutig definierbar bzw. nicht ausschließlich der Altersgruppe der Kinder zuzuordnen, wie der Titel "Kinderliederbuch" nahelegen könnte. Die nach herkömmlichen Kriterien ungenaue Zielgruppe war auch der Grund, warum der „Hausverlag" des Komponisten Wilfried Hiller nach anfänglich positiver Einstellung die Veröffentlichung der Lieder ablehnte. Ein neuer Anfang ergab sich beim Musikverlag Max Hieber, der die Vertonungen Hillers zuerst auf ünstlerisch gestalteten Postkarten mit Cartoons von Marcel Vanek druckte. Aus den (nach wie vor erhältlichen) Postkartenliedern wurde bald ein ganzes, bibliophil gestaltetes Buch, aus dem Kinder wie Erwachsene singen und spielen können.
Bei der "Zielgruppe" hatte Wilfried Hiller immer ein Motto von Erich Kästner vor Augen: "Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch!"
Kindlichen Übermut jedenfalls hat sich Morgenstern, der Altmeister philosophischen Unsinns bewahrt:
"Ich habe die Welt zu Flugsand zerdacht, doch könnt ich das Kind in mir nicht töten, so hab ich es endlich kaum weiter gebracht, als zum Schnitzen von Weidenflöten."
Susanne Schmerda
Die Noten zu dieser Aufnahme sind als Buch beim Musikverlag Max Hieber München erschienen.
Abbildungen
dem Einlieger entnommen
Hörprobe
Lied der Sonne
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Winternacht
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