Zu Nieblum will ich begraben sein (o. T.)

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Zu Nieblum will ich begraben sein,
am Saum zwischen Marsch und Geest.
Dort holt mich wohl einmal die Nordsee heim,
die immer meine Mutter gewest,

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holt mich in ihre Tiefe heim,
die immer meine Mutter gewest.

Ich hör den Wind nicht rauschen,
dass ich nicht dächte dein,
muss immer nur hegen und lauschen,

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die Augen schließen und lauschen
in sein Gebraus hinein.

Er kommt über dich gestrichen
und trägt so herben Duft;
mit Tönen heimatlichen

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erfüllt sich rings die Luft:
die Boote zerren am Pflocke,
die Brandung schlürft und zischt,
und fernher summt eine Glocke
von Amrum über den Gischt.

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Zu Nieblum will ich mich rasten aus
von aller Gegenwart.
Und schreibt mir dort auf mein steinern Haus
nur den Namen und: "Lest Lagarde!"
Ja, nur die zwei Dinge klein und groß:

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diese Bitte und dann meinen Namen bloß.
nur den Namen und: "Lest Lagarde!"

Das Inselchen Mutterland dorten, nein,
das will ich nicht verschmähn.
Holt mich doch dort bald die Nordsee heim

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mit steilen, stürzenden Seen -
das Muttermeer, die Mutterflut...
o wie sich gut dann da drunten ruht,
tief fern von deutschem Geschehn.

 

 

Lyrik | Nachlese zu Melancholie
I: Abend im Park | Sternennacht | Musik | Nacht am Flusse | Junger, blasser, feiner Knabe | Von diesem Berg | Glockensturm im Tal | Lied an die Dämmerung | Ich trat ans Fenster | Seltsam, wie dort im Spiegel | Der kann von Liebe
II: Porto fino | Bist du, Herz, nicht trunken | Zum Abschied | An Eva P. | Vor einer Postkarte
III: Monte Testaccio | Auf den Annemonenwiesen der Villa Pamfili bei Rom | Piazza Barberini
Farnesina: Venus vor Zeus | Zug der Galatea
Von Rom zu scheiden | Pabstjubiläum 1903 | Dass es nur nicht | Frage ohne Antwort | Ich bin nicht öfter groß | Tret ich zu einer Pilgerschar | Ihr übermütigen Schellenknaben | Fiesolaner Ritornelle
IV: Ein Gedicht Walthers von der Vogelweide | Im Walther-Ton
V: Einer Jugendfreundin | Er, der uns zum Gipfel führt | Zu Nieblum will ich begraben sein | Die Heulboje | Dunkler Tag | Die Sterbende | Alles gut weil alles Gott | Sieh, des Herbstes Geisteshelle | Ich will vom Menschen nicht lassen | Genug oft
VI: Nicht noch einmal - | Leben ohne Antwort | Non veder, non sentir m'è gran ventura | Verantwortung | Durch manchen Herbst | Sei bereit | Dunkler Tropfe


Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 2, S. 68f.