Zu den Vorgängen bezüglich der "Emser Depesche", November 92

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Ich kann und mag nicht Lieder hauchen
um Lieb' und Glück und Mondscheinpracht -
ich muss in Schwarz den Pinsel tauchen,
und was ich malen muß, ist Nacht;

5

denn düsterrote Flammenzeichen rauchen
und lodern ihr erschütterndes "Erwacht!"
Von Gau zu Gau erhebt sich banges Raunen -
und fernher rollt's wie Donner von Posaunen.

Ihr aber taumelt wahnverblendet

10

entgegen eurem Untergang:
mit euren eignen Händen schändet
ihr, was der Väter Blut errang:
Ihr habt euch selber dem Verfall verpfändet,
unwert seid ihr der Muttersprache Klang!

15

Weh euch, dass euch die Ehrfurcht ist erstorben
für das, was heil'ge Ahnentat erworben!

Verhöhnt, begeifert, was erhaben,
und stampft es jauchzend in den Kot,
und wähnet, ihm ein Grab zu graben,

20

indes euch selbst Vernichtung droht!...
Weh! wieder kreisen um den Berg die Raben.
dem Greise kündend Deutschlands Schmach und Not.
Es täuscht den Traum gesegneter Entfaltung
der alte Geist der Schmähsucht und der Spaltung.

 

 

Lyrik | Gedichte aus dem Nachlass Teil 1
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Kommentar

Zu finden in der
Stuttgarter Ausgabe: Band 1, S. 532


Wikipedia:Emser Depesche